EUROPA [EU]
18.01.2012 Italien/Vatikan: „Europa braucht die Stimme der Kirche“
Die Europäische Union muss auf die Stimme der katholischen Kirche hören, denn die Kirche ist in Europa „Brückenbauerin“. Das hat der italienische Ministerpräsident Mario Monti im Interview mit Radio Vatikan unterstrichen: „Die katholische Kirche geht über die Mauern der Nationen hinaus. Gleichzeitig bekräftigt die Kirche die Bedeutung der Einheit, und das bedeutet vor allem Respekt, Verantwortung und Solidarität.“ Monti war am vergangenen Samstag von Papst Benedikt XVI. im Vatikan empfangen worden. Bei der für ihn persönlich „wichtigen“ Begegnung mit dem Heiligen Vater habe Benedikt XVI. noch einmal die notwendige Unterscheidung zwischen Politik und Religion unterstrichen, berichtete Monti. Diese diene dazu, „die Religionsfreiheit zu schützen und den Schutz des Staates gegenüber ihren Bürgern anzuerkennen“. Zur Bewältigung der Krise in Europa brauche es jetzt Zuversicht und das Bewusstsein um die eigenen Wurzeln, fügte der Nachfolger im Amt des ehemaligen Premierministers Silvio Berlusconi an. Die europäische Einheitswährung müsse in diesem Sinne stärker als Integrationsmittel und nicht als Gefahr für die europäische Einheit angesehen werden, so Monti. (rv) (NL Radio Vatikan, 18.01.2012)
04.02.2011 Vatikan: EU droht Glaubwürdigkeits-verlust
Der Heilige Stuhl hat am Mittwoch vor einem Glaubwürdigkeitsverlust der EU-Institutionen gewarnt.Anlass war die Weigerung der EU-Außenbeauftragten Lady Catherine Ashton und mehrerer Außenminister beim Brüsseler Außenministerrat am Montag, einen von Italien und Frankreich eingebrachten Textvorschlag zur Religionsfreiheit mit expliziter Erwähnung der Diskriminierung der Christen in einigen Ländern zu akzeptieren. Der Präsident des Päpstlichen Rats für die Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, sagte am Mittwoch, durch eine beschwichtigende Handbewegung könne man Gefühle nicht wegwischen. „Die Kontrolle der Sprache ist unerträglich [? unerlässlich?], und ich kann einem Text keine Achtung entgegenbringen, der sich weigert, den christlichen Glauben anzuerkennen“, so der Kurienerzbischof. Die Gespräche in Brüssel endeten mit einem Eklat: Italiens Außenminister Franco Frattini warf Ashton vor, sie versteige sich „in exzessiver politischer Korrektheit“. (rv/kap) (NL Radio Vatikan, 04.02.2011).
26.01.2011 Straßburg:
Ein Vertreter der europäischen Sicherheitsorganisation OSZE ist für einen europäischen Gedenktag für christliche Märtyrer unserer Zeit. Das sagte der italienische OSZE-Vertreter Massimo Introvigne am Dienstag bei einer Anhörung im Straßburger Europarat. Introvigne erinnerte daran, dass drei Viertel aller Fälle von religiöser Verfolgung weltweit Christen beträfen. Der 7. Mai scheine ihm ein geeigneter Tag für einen Märtyrer-Gedenktag. An einem 7. Mai hatte im Jahr 2000 der damalige Papst Johannes Paul II. im römischen Kolosseum bei einer ökumenischen Veranstaltung an die Märtyrer unserer Zeit erinnert. Introvigne ist OSZE-Beauftragter für den Einsatz gegen Christianophobie. An der Anhörung nahm auch der chaldäisch-katholische Bischof Antoine Audo aus dem syrischen Aleppo teil. Derweil hat sich der italienische Außenminister Franco Frattini mit der römischen Basisgemeinschaft Sant’Egidio über das Thema Christenverfolgung beraten. Bei einem Besuch bei Sant’Egidio im Stadtteil Trastevere unterzeichnete Frattini auch einen Text, der die Basisgemeinschaft als Vermittler auf internationaler Bühne empfiehlt. Die italienischen Bischöfe stellten sich bei Beratungen in Ancona hinter einen Vorschlag von Papst Benedikt, eine internationale Stelle zur Beobachtung von Christianophobie-Fällen einzurichten. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, rückte „Christianophobie“ in die Nähe von „ethnischer Säuberung“. (rv) NL Radio Vatikan, 26.01.2011).
21.01.2011 EU: „Religionsfreiheit mehr in den Blick nehmen"
Das Europaparlament hat die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und die EU-Institutionen aufgerufen, dem Thema Religionsfreiheit und dabei auch der Lage der Christen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die EU-Außenminister sollen zu Monatsende konkrete Schritte beschließen, „um den bedrohten christlichen Glaubensgemeinschaften überall in der Welt Sicherheit und Schutz zu bieten“. Das verlangten die Europaabgeordneten in einer Erklärung, die an diesem Donnerstag in Straßburg mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. (kna) (NL Radio Vatikan, 21.01.2011).
14.01.2011 OSZE: „Bewusstsein für das Problem Intoleranz gegen Christen schaffen“
Ein katholischer Religionssoziologe wird sich in Zukunft für die OSZE um die Belange von Christen kümmern, die Benachteiligungen ausgesetzt sind. Massimo Introvigne ist neuer Repräsentant der Organisation für den Einsatz gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Die OSZE, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, sitzt in Wien und umfasst 56 Länder: alle europäischen Staaten, Russland und sämtliche Sowjet-Nachfolgestaaten sowie die USA und Kanada. Ein weites Feld. Seine Schwerpunkte erklärt der Religionssoziologe im Gespräch mit Radio Vatikan so:
„Erste Aufgabe wird der diplomatische Dialog mit den jungen Demokratien östlich von Wien sein. Sie haben noch Gesetze, die den Christen das Leben schwer machen, etwa wo es um Visa für Ordensleute geht oder den Bau religiöser Gebäude. Das zweite Problem ist eine Bewusstseinsbildung. Es muss das Bewusstsein entstehen, dass auch im Westen die wahren Grundlagen der Religionsfreiheit nicht im Relativismus liegen, wie erst vor kurzem Papst Benedikt XVI. kürzlich sagte. Und dass die Christen ein Recht haben, ihre Ansichten öffentlich zu machen, selbst zu Themen der Moral, des zivilen Lebens und der Politik.“
Als mögliche „Hauptstadt“ für dieses Anliegen hat Introvigne Rom ausgemacht. Die Papststadt könnte ein „Zentrum der Verbreitung dieses Bewusstseins“ werden, dass es innerhalb des OSZE-Gebiets Intoleranz und Diskriminierung von Christen gibt. (rv) (NL Radio Vatikan, 14.01.2011).
19.04.2010 Deutschland: Roma dramatisch ausgegrenzt
Ob eine neue Wohnung, ein angemessener Job, der Schulbesuch oder einfach nur der Gang zum Arzt – in allen diesen Bereichen sind Roma in Europa dramatisch benachteiligt. Dieses Ergebnis hat die EU-Grundrechteagentur bekannt gegeben. Schätzungen zufolge leben in Europa etwa zehn bis zwölf Millionen Roma. Jeder Zweite von ihnen habe bereits Diskriminierung erfahren, heißt es laut der EU-Agentur. Im Domradio-Interview beschrieb Amnesty International-Mitglied Wolfgang Grenz die Situation der Roma aus seiner Sicht als Asylexperte:„Es ist nach wie vor so, dass die Roma, auch besonders hier in der Europäischen Union, nicht integriert sind. Ihre Lebenssituation ist sehr schlecht. Sie sind praktisch an den Rand gedrängt, marginalisiert.“ (domradio/rv) (NL Radio Vatikan, 19.04.2010)
27.01.2010 Europäische Union:
Die europäischen Bischöfe begrüßen die Entschließung des Europaparlamentes, die die jüngsten Angriffe auf christliche Gemeinschaften in Ägypten und Malaysia verurteilt. Das teilt die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften an diesem Mittwoch mit. Die Entschließung stellt fest, dass die Europäische Union weiterhin nachdrücklich für die Förderung und den Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit eintrete. In diesem Zusammenhang erinnert die COMECE daran, dass gegenwärtig 75 bis 85 Prozent der religiösen Verfolgungen weltweit Christen betreffen. (pm) (NL Radio Vatikan, 27.01.2010).
01.12.2009 Europäische Union: „Demokratischer und effizienter“
Nach zahlreichen politischen Rückschlägen ist der Reformvertrag der Europäischen Union an diesem Dienstag in Kraft getreten. Der so genannte Lissabon-Vertrag legt die Basis für eine EU, die künftig besser und demokratischer funktionieren soll. Die katholische Kirche begrüßt im Grundsatz den Vertrag, er trage der Erweiterung der Union von 15 auf 27 Mitgliedsstaaten Rechnung. Die EU „wird demokratischer, transparenter und effizienter“, heißt es in einer europaweit abgestimmten Erklärung der Bischöfe.
Nach acht Jahren Debatte könne die EU sich jetzt auf die inhaltlichen Herausforderungen konzentrieren und aufhören, „sich mit sich selbst zu beschäftigen“, sagte ein Sprecher der Kommission der Europäischen Bischofskonferenzen (COMECE) in Brüssel gegenüber Radio Vatikan. Neben der Reform der EU-Institutionen verankert der Vertrag auch den Dialog mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften. Mit Artikel 17 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU erkennt die EU die Identität und den spezifischen Beitrag der Kirchen an und führt auf dieser Grundlage einen „offenen, transparenten und regelmäßigen“ Dialog mit ihnen, so die COMECE. Auf der Agenda stünden unter anderem der menschenwürdige Umgang mit Flüchtlingen, ein soziales und familienfreundliches Europa sowie Fragen der Bioethik und Forschungspolitik. (NL Radio Vatikan, 01.12.2009).
01.12.2009 Europa: Christliche Prinzipien bewahren
Zwar bedauerten die Kirchen, dass der neue Vertrag weder auf Gott noch auf die christlichen Wurzeln des Kontinents Bezug nehme. „Doch es gibt immerhin einen Verweis auf das geistig-religiöse Erbe Europas, und damit ist natürlich besonders das christliche Erbe gemeint.“
Mit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags wird auch die so genannte Grundrechtscharta rechtsverbindlich. Grund- und Freiheitsrechte werden damit für jeden Bürger einklagbar. In der Charta und im gesamten Arbeiten der EU seien die Achtung der Menschenwürde und Prinzipien wie Solidarität und Subsidiarität der katholischen Soziallehre grundlegend, so COMECE-Referent Pickartz. Sein Appell: „Ich denke, dass die Kirchen auf die Einhaltung dieser Prinzipien drängen sollten und besondere Kompetenz haben, um über diese Prinzipien zu wachen.“ (rv) (NL Radio Vatikan, 01.12.2009).
08.11.2009 Italien:
Die Regierung legt – wie angekündigt – Berufung ein gegen das Anti-Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Das römische Kabinett forderte am Freitag, der Prozess müsse von einer höheren Kammer in Straßburg wieder aufgenommen werden. Dem Urteil entgegen, sollen in den öffentlichen Schulen Italiens die Kreuze hängen bleiben, meinte Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Wörtlich sagte er: „Das Urteil ist nicht zwingend“. Es werde im Übrigen auch der Realität des zutiefst christlichen Italien nicht gerecht. Der Menschenrechtsgerichtshof hatte am Dienstag einer italienischen Klägerin Recht gegeben, die im Kruzifix in öffentlichen Schulen eine Einschränkung des Erziehungsrechts der Eltern und der Religionsfreiheit sah. (Corriere della Sera) (NL Radio Vatikan, 08.11.2009).
26.09.2009 Prag: Papst Benedikt XVI. über die Wurzeln und die Zukunft Europas
"Europa ist mehr als ein Kontinent. Es ist ein Zuhause! Und die Freiheit findet ihren tiefsten Sinn in einer geistigen Heimat. Bei voller Rücksicht auf die Unterscheidung zwischen dem politischen Bereich und dem Bereich der Religion – was ja die Freiheit der Bürger bewahrt, ihren Glauben zum Ausdruck zu bringen und danach zu leben –, möchte ich zugleich die unersetzliche Rolle des Christentums für die Bildung des Gewissens einer jeden Generation betonen, wie auch seine Rolle für die Förderung eines grundlegenden ethischen Konsenses, der allen Menschen zugute kommt, die diesen Kontinent ihr „Zuhause“ nennen! In diesem Geist weiß ich die Stimme all jener zu schätzen, die sich heute in diesem Land und auf diesem Kontinent darum bemühen, ihren Glauben respektvoll und dennoch entschieden ins öffentliche Leben einzubringen, in der Erwartung, daß die gesellschaftlichen Normen und die politischen Entscheidungen von dem Verlangen geprägt sein sollen, nach der Wahrheit zu leben, die jeden Menschen frei macht (vgl. Caritas in veritate, 9). . . . .
Am gegenwärtigen Scheideweg der Zivilisation, die so oft von einer beunruhigenden Spaltung der Einheit des Guten, der Wahrheit und der Schönheit gekennzeichnet ist – ebenso wie von der sich daraus ergebenden Schwierigkeit, eine Akzeptanz gemeinsamer Werte zu finden –, muß sich jedes Bemühen um den Fortschritt des Menschen vom lebendigen Erbe inspirieren lassen. Europa hat in Treue zu seinen christlichen Wurzeln eine besondere Berufung, diese transzendente Vision in seinen Initiativen im Dienst des Gemeinwohls der einzelnen Menschen, der Gruppen und der Länder zu bewahren. Besonders wichtig ist die dringende Aufgabe, junge Europäer durch eine Bildung, die ihre gottgegebene Fähigkeit achtet und stärkt, zu ermutigen, gerade jene Grenzen zu überschreiten, die sie manchmal anscheinend gefangen halten. Im Sport, in den kreativen Künsten und im Streben nach Wissen ergreifen junge Menschen gerne die Gelegenheit, herausragende Leistungen zu erbringen. Ist es nicht ebenso wahr, daß sie auch nach moralischen Tugenden und nach einem solidarischen und guten Leben streben werden, wenn sie mit hohen Idealen konfrontiert werden? Meine aufrichtige Ermutigung gilt den Eltern und den Leitern von Gruppen, die von den Verantwortungsträgern erwarten, daß sie Werte fördern, die die intellektuellen, menschlichen und geistigen Dimensionen einer soliden Erziehung umfassen, die den Zielen unserer jungen Menschen angemessen ist."
(Aus der Ansprache Papst Benedikts XVI. bei der Begegnung mit den politischen Autoritäten und dem Diplomatischen Korps am 26.09.2009 im Spanischen Saal der Prager Burg).
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