Die Dahner Sprünge
von Gerd Hagedorn
Die Dahner Sprünge sind d a s Kennzeichen von Dahnen und haben den Ort weithin bekannt gemacht. In über 70 Geschichten und Schwänken, einer Art von Eifeler Schildbürgerstreichen, helfen die Dahner sich selbst und anderen gern "auf die Sprünge". Vielleicht daher der Name?! Dabei sind die Dahner Sprünge nicht nur umfangreicher, sondern im allgemeinen auch geistreicher und hintersinniger als die bekannteren Schildbürgerstreiche, und während Schilda nur eine literarische Fiktion ist, lassen sich viele Dahner Sprünge noch heute an konkreten Orten in und um Dahnen festmachen. Die entsprechenden Gebäude und Örtlichkeiten in Dahnen und Umgebung wurden deshalb mit Hinweisen auf die jeweiligen Dahner Sprünge gekennzeichnet. Das Studium der Dahner Sprünge, die nachweislich seit mehr als 200 Jahren existieren, wäre eine lohnende Aufgabe für die Erzählforschung in der wissenschaft- lichen Volkskunde.
Zu den Websites von Gerd Hagedorn über Dahnen gelangen Sie hier.
Der seit 1993 in Dahnen lebende Heimatforscher Pfarrer i.R. Gerd Hagedorn hat 1996 in mehrjähriger Ar- beit alle bis dahin bekannten "Dahner Sprünge" erstmals gesammelt und sie nach den ältesten verfügbaren Quellen in Buchform heraus- gegeben. Diese editio prin- ceps genügt auch wissenschaftlichen Ansprüchen. Hier die bibliographischen Daten des Buches: Hagedorn, Gerd: Die Dahner Sprünge: Schildbürgerstreiche aus der Eifel, Dahnen 1996, 111 Seiten, fester Einband.
Das Buch enthält ferner 13 Illustrationen von Doris Stuke und zwei Karten von Titus Christian, außerdem einige Dahnener "Sprüche", ein Vorwort, sechs Eulenspiegelgeschichten aus Dahnen, Hinweise zu den Dahner Sprüngen, ein Quellenverzeichnis und ein Literaturverzeichnis, ein Orts-, Personen-, Motiv- und Sachverzeichnis, einen Lageplan von Dahnen sowie eine Karte der erwähnten Orte in der Eifel, in Ostbelgien und in Luxemburg. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen.
>> Die Dahner Sprünge sind noch beim Verfasser erhältlich. Sie kosten 15,30 EURO, bei Postversand als Büchersendung zuzüglich 1,70 EURO. Lieferung erfolgt nur gegen Vorkasse. Eine Bestellung ist möglich durch formlose E-mail mit dem Betreff "Dahner Sprünge" oder durch entsprechenden Eintrag im Gästebuch. Bitte die genaue Versandadresse nicht vergessen.
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Hier einige Illustrationen von Doris Stuke, die sie zu dem Buch beigesteuert hat, sowie eine Charakteristik der Dahner Sprünge von Gerd Hagedorn:
In den Dahner Sprüngen kämpfen die Bewohner von Dahnen gegen die Tücken des Objektes und gegen sich selbst, gegen hinterweltlerische Be- schränktheit und superschlaue Besserwisserei. Dabei verlieren sie meistens, entdecken aber auch den Wert der Solidarität einer Dorfgemeinschaft. Ganz nebenbei erfinden sie ein besonderes Gewürz für die berühmte Kirmessuppe und die zerstörungsfreie Verschiebung von Bauwerken, den günstigsten Transport von Baumstämmen, das Grillen von Fleisch und das Löschen eines Brandes mit Hilfe eines Gebläses, weil man doch eine Flamme auch ausblasen kann!
Außerdem entpuppen sich die Dahner als die ersten Anwender ökologischer Maß- nahmen und lernen nicht nur, wie man zählt und raucht, wie man Heringe züchtet, Ochsen sät, Kürbisse ausbrütet und Unter- hosen anzieht, sondern geben ihre Erfahrungen auch gerne weiter, um damit anderen auf die Sprünge zu helfen; nicht zuletzt in dem Wissen, dass man aus Schaden klug wird -- es muss ja durchaus nicht immer der eigene Schaden sein, der die Klugheit bewirkt!
Man kann auch, wie schon Plinius sagt, aus dem Schaden anderer klug werden. Das ist allemal intelligenter, als selbst Lehrgeld zu zahlen, und die Schadenfreude gibt es gratis dazu. Die in den Dahner Sprüngen geschilderten Erfahrungen und Lebensweisheiten kom- men nicht unbedingt aus einem "hohen", sondern eher aus einem typisch "breiten" Verstand, der den Bewohnern von Dahnen in besonderem Maße nachgesagt wird. Die heutigen Dahnener tragen dieses Erbe gelassen und mit Humor.
Die teils unterschiedlichen Fassungen der Dahner Sprünge sind entstanden aus einer lebendigen Erzähl- tradition an langen, dunklen Winterabenden in den häus- lichen Spinnstuben von Eifel und Ardennen. Deshalb zählen die Dahner Sprünge ohne Zweifel zur wirklich genuinen Eifelliteratur, die die Menschen in Eifel und Ardennen selbst hervorgebracht haben und die sie noch bis in die heutige Zeit hinein mündlich weitergeben und durch Variationen berei- chern.
Das Buch von Gerd Hagedorn, das erstmals die Dahner Sprünge nach ihren ältesten Fassungen in gedruckter Form vorlegt, ist nun aber nicht etwa nur ein wissenschaftlich geschriebenes Werk, son- dern auch und vor allem ein interessantes litera- risches und volkskund- liches Zeugnis früherer Zeiten in der Westeifel, näherhin im grenz- überschreitenden Islek und Oesling. Es ist zugleich ein volkstümliches Buch und ein schönes Geschenk für lustige und für ernste Leute, für einen selbst und gerade auch für Kinder, die ihren Spaß an den manchmal bizarren und komischen Situationen haben und dabei noch etwas lernen können.
"Wenn ich mich nicht total versehe", sagte die weiseste der alten Frauen von Dahnen (oberes Bild), die man gefragt hatte, was denn das wohl für ein vorher im Dorf noch nie gesehenes Tier sei, "wenn ich mich nicht total versehe, dann ist das eine Turteltaube". Und der Esel bestätigte diese Ant- wort prompt mit einem laut vernehmlichen und kräftigen "Ijaa"!! -- Die Künstlerin Doris Stuke aus Konz gibt hier des Rätsels Lösung: Man muss dazu nur das Bild auf dem Kopf stehend betrachten! -- Da dies aber ziemlich unbequem ist, kann man auch, wie hier geschehen, einfach das Bild herumdrehen ...!
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Weitere Bilder zu den "Dahner Sprüngen" finden Sie im zweiten Dahnener Album von Gerd Hagedorn über die Dahner Sprünge.
Inzwischen erfolgte weitere Publikationen zum Thema "Dahner Sprünge" sind ersichtlich aus der Liste der Veröffentlichungen von Gerd Hagedorn.
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Und hier ein Dahner Sprung als Kostprobe:
"Der vierbeinige Nachtwächter"
(DS 45, S. 57-58)
Einst wurde kurz hintereinander in Dahnen eingebrochen. Wie man aber auch nachforschte, man fand den Spitzbuben nicht. Da beschlossen die Dahner, einen Nachtwächter anzustellen. Einer von ihnen machte den Vorschlag: "Wir nehmen einen Hund, der kann schnell laufen, der kriegt ihn sicher!" Der Rat fand Beifall. Damit man den Hund besser hören würde, bekam er eine Schelle um den Hals. Ein Mann musste abwechselnd wachen und, wenn er den Hund schellen hörte, die Leute wecken. Sie taten also, und dann, als es dunkel war, ließen sie den Hund laufen. Dieser lief durchs Dorf und schellte dabei. Da rief der Wächter: "Steht auf, es ist eingebrochen worden!" Alle sprangen aus den Federn, fanden aber nirgends einen Dieb. So wurden sie in der ersten Nacht sechsmal geweckt, bis der Hund, durch die Schelle am Halse toll gemacht, fortlief. Da glaubten sie, er verfolge die Einbrecher, und legten sich von dieser Zeit an wieder ruhig schlafen.