JUDENTUM UND KIRCHE
04.022.2012 Arno Lustiger: Rettungswiderstand. Über die Judenretter in Europa während der NS-Zeit. Eine Besprechung von Gudrun Sailer
„Rettungswiderstand“ heißt das umfangreiche Werk, das der Shoah-Überlebende Arno Lustiger vor kurzem vorgelegt hat: Er dokumentiert die oft vergessenen Hilfeleistungen für in der Nazizeit verfolgte Juden in ganz Europa und darüber hinaus. Einige sind gut bekannt, etwa jene von Angelo Giuseppe Roncalli; der spätere Papst Johannes XXIII. schleuste als Nuntius in der Türkei Tausende von jüdischen Flüchtlingen nach Palästina. Warum die Öffentlichkeit viele dieser Geschichten spät bis gar nicht zur Kenntnis nahm, erklärt sich Arno Lustiger mit dem Unbehagen, das sie auslösen: Den Wegschauern sei es unangenehm zu erfahren, dass es unter den gleichen Bedingungen andere gab, die den Mut fanden, bedrängten Juden zu helfen. Das Buch ist im Verlag Wallstein erschienen. (rv) (NL Radio Vatikan, 04.02.2012). - Das Buch erschien 2011 und kostet 29,90 €. ISBN: 978-3-8353-0990-6 [GH].
17.01.2012 Deutschland:
Deutschland hat eine neue jüdische Zeitung: Die „Jewish Voice from Germany“ startete im Januar mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren. Das 24 Seiten umfassende Blatt im Tabloidformat informiert über jüdisches Leben in Deutschland und erscheint vierteljährlich. Initiator und Herausgeber der Zeitung ist der Publizist Rafael Seligmann. Als Motiv für die Gründung führt er an: „Jetzt ist die Zeit zum Aufbauen, denn über den wiedererstandenen lebendigen Alltag jüdischen Lebens in Deutschland weiß die restliche jüdische Welt viel zu wenig.“ Allzu viele könnten sich kaum vorstellen, dass es aus Deutschland nach dem Holocaust inzwischen wieder „good news“ gebe. (kna) (NL Radio Vatikan, 17.01.2012) - Aber warum in Englisch? Und warum überhaupt? Und mit welchem Geld? [GH]
02.01.2012 Israel: Geschlechtertrennung würde gegen Verfassung und Tora verstoßen
Die Forderung einer Gruppe ultraorthodoxer Juden nach Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben erhitzt in Israel die Gemüter. Eine strenggläubige jüdische Gruppe hatte Frauen unter anderem dazu aufgefordert, vor den Synagogen auf die andere Straßenseite zu wechseln, in Bussen und Straßenbahnen hinten zu sitzen, sich im Supermarkt in getrennten Schlangen an der Kasse zu anstellen sowie bei Wahlen eigene Wahlurnen zu benutzen. Die Forderung geht von einer ultraradikalen Minderheit aus, die bereits in der Vergangenheit durch ähnliche Aktionen auf sich aufmerksam gemacht hat, erklärt Petra Heldt, Dozentin an der Hebräischen Universität in Jerusalem und Direktorin der ökumenischen theologischen Forschungsgemeinschaft in Israel. Frauenrechte seien durch deren Forderungen aber nicht ernsthaft gefährdet – das ließen israelische Gläubige, Bürger und Politiker mitnichten zu. Heldt wörtlich: „Das ist eine superkleine, extreme Gruppe.“ (rv/faz/domradio) (NL Radio Vatikan, 02.01.2012).
01.10.2011 Nachlese zur Deutschlandreise des Heiligen Vaters: Die Begegnung mit den Juden
Deutliche Worte fanden bei ihren Begegnungen in Berlin die jüdischen Gesprächspartner. „Gute Freundschaft muss auch belastbar sein und sogar auch einmal den Gegenwind von gelegentlicher Differenz aushalten“ – das meinte der Präsident des „Zentralrats der Juden“, Dieter Graumann, beim Tete-a-tete mit Papst Benedikt XVI. „Deshalb lassen Sie mich in der gebotenen freundschaftlichen Offenheit auch jene Punkte ansprechen, die uns wirklich weh tun: Das Thema Piusbrüder, die unserer Meinung nach wie vor für Fanatismus, Fundamentalismus, Rassismus, Antisemitismus, ja schlicht für finsterstes Mittelalter und für Unversöhnlichkeit pur stehen, schmerzt uns nach wie vor.“ Dasselbe gelte für das Thema Karfreitagsfürbitte, fügte Graumann hinzu, ohne da weiter ins Detail zu gehen. „Und die in Aussicht genommene Seligsprechung von Papst Pius XII. würde uns, aus unserer Sicht und in unserem Empfinden, weiteren Schmerz und Enttäuschung verursachen.“ (NL Radio Vatikan, 01.10.2011).
02.09.2011 Heiliges Land:
Die Juden behandeln die Christen wie Menschen zweiter Klasse
Die heutigen Freunde des israelischen Rechts-Regimes werden sich morgen in der gleichen Situation befinden wie die Nazi- und Apartheid-Bejubler von damals.
Israelische Siedlungen im Westjordanland
Unter den Christen im Heiligen Land herrscht eine „große Wut“ über die repressive israelische Siedlungspolitik im besetzten Westjordanland.
Das berichtete André Stiefenhofer - deutscher Pressesprecher des Hilfswerkes ‘Kirche in Not’ – am 25. Juli 2011 in einem Interview.
Bild rechts: André Stiefenhofer
Der Wunsch nach einem wirklich souveränen palästinensischen Staat sei greifbar.
Zustände wie im Warschauer Ghetto
Angesichts ihrer Situation „empfinden die palästinensischen Christen eine gewisse Sympathie für die Revolutionen und Demokratiebewegungen im Nahen Osten“. André Stiefenhofer: Der Schulterschluss zu den Muslimen sei im Heiligen Land stärker ausgeprägt als in anderen arabischen Ländern.
Die palästinensischen Christen würden von Israel wie Menschen zweiter Klasse behandelt: „Das muss man leider so deutlich sagen.“
Die Palästinenser müssen an ihren Autos grüne Nummernschilder benützen, mit denen sie viele Straßen – auch im Palästinensergebiet – nicht benutzen dürfen.
Es gibt nach Stiefenhofer in Bethlehem geborene Priesterseminaristen, die ihr ganzes Leben noch nie in Jerusalem waren, das mit dem Auto in zehn Minuten zu erreichen wäre.
Sie dürfen sich in ihrem eigenen Land nicht frei bewegen und müssen jederzeit damit rechnen, ohne Angabe von Gründen vom israelischen Militär verhaftet zu werden.
Bild: Goldene Moscheekuppeln und Klagemauer in Jerusalem
Das ist Israel: Willkür, Hass, Schikanen
Besonders schlimm ist die Lage nach Stiefenhofer im Gaza-Streifen:
„Soviel ich mitbekommen habe, ist dieses Gebiet nichts anderes als ein großes Gefängnis.“
Am meisten schockierte Stiefenhofer der Umgang der israelischen Soldaten mit den Palästinensern: „Er ist geprägt von Willkür, Hass und Schikane.“
Die Lösung des israelischen Sicherheitsbedürfnisses sieht Stiefenhofer nicht darin, „ein ganzes Volk unter den Generalverdacht des Terrorismus zu stellen und es unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung zu schikanieren, wo es nur geht.“
Doch: „Genau diesen Eindruck bekommt man aber von Israel, wenn man auch nur wenige Tage mit palästinensischen Christen unterwegs ist.“
Israel will und produziert Terrorismus
Sollte den Palästinensern die Staatsgründung mit voller Souveränität weiter verweigert werden, wird das nach Stiefenhofer zur weiteren Festigung der Frustration im Volk führen:
„Das Ergebnis dieser Frustration ist auf Seiten der radikalen Palästinenser der fortgesetzte Terrorismus gegen Israel.“
Bei den Christen wird die Frustration eher dazu führen, dass der Exodus weitergeht:
„Vor 1948 waren in Israel 30 Prozent der Bevölkerung Christen – heute sind es gerade mal noch drei Prozent.“
In christlichen Hochburgen wie zum Beispiel Bethlehem ist der Schwund ähnlich drastisch.
Vor 1948 lebten in Bethlehem ausschließlich christliche Familien. Heute sind es noch 30 Prozent.
Reines Machtgebaren
Den Christen im Heiligen Land kann nur geholfen werden, wenn die Probleme, die seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 bestehen, gelöst werden.
Die palästinensische Forderung, auf den Bau neuer Siedlungen in den illegal besetzten Gebieten zu verzichten, ist für Stiefenhofer „völlig berechtigt“:
„Mit den Siedlungen [siehe Bild rechts] zerteilt Israel das Palästinensergebiet und greift somit in die Souveränität der Autonomieregierung ein.“
Die neuen Siedlungen sind – so Stiefenhofer – „völlig unnötig und reines Machtgebaren“.
Es gebe keinen Mangel an Wohnraum in Israel und die Demographie weise . . . "eher nach unten". (kreuz.net, 02.09.2011: © Pressefotos ‘Kirche in Not’).
22.12.2009 Vatikan:
Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, hat das Seligsprechungsverfahren für Papst Pius XII. verteidigt. Der Verlauf nach sehr strengen Vorgaben gewährleiste, dass Verantwortliche und Fachleute das Verfahren unparteiisch durchführten, sagte der Erzbischof von Genua im Interview mit der Tageszeitung „La Stampa“ (Dienstagsausgabe).
Zugleich betonte der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, die Kirche sei keine politische Lobby-Organisation und kein Interessenverband. Gleichwohl habe der Glaube Folgen für die Haltung der Katholiken in öffentlichen und sozialen Angelegenheiten. Papst Benedikt XVI. sei ein Beispiel dafür, wie man sich um alle menschlichen Belange kümmern könne, ohne seine Rolle als Seelsorger aufzugeben, so Bagnasco. (kna) (NL Radio Vatikan, 22.12.2009).
21.12.2009 Israel/EU: Kritik an Tugendgrad Pius XII. reißt nicht ab
Solange die historischen Fakten um Pius XII. nicht geklärt seien, dürfe die Seligsprechung des Pacelli-Papstes nicht vorangetrieben werden. Das erklärten Vertreter der Gedenkstätte Yad Vashem laut Medienberichten an diesem Sonntag. Papst Benedikt hatte per Dekret am Samstag unter anderem Pius XII. und Johannes Paul II. den heroischen Tugendgrad zuerkannt. Beide Päpste sind damit einen Schritt weiter auf dem Weg zur Seligsprechung. Vertreter der jüdischen Gemeinde hatten die Entscheidung heftig kritisiert, darunter auch der Zentralrat der Juden in Deutschland. Laut Medienberichten vom Wochenende sagte Generalsekretär Stephan Kramer: „Ich bin traurig und wütend.“ Er halte es für „absolut verfrüht, diesen Schritt zu machen“, so Kramer. Die katholische Kirche versuche „eine andere Geschichte zu schreiben“. Kritiker werfen dem Pacelli-Papst vor, er habe nicht laut genug gegen die Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg protestiert.
Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, sagte am Sonntag in Paris, er hoffe, der Vatikan werde auf die Seligsprechung Pius XII. verzichten. Die Entscheidung, den heroischen Tugendgrad zuzuerkennen, sei kontraproduktiv für den jüdisch-christlichen Dialog. „Angesichts des Schweigens von Papst Pius XII. während und nach dem Holocaust“, so Bernheim wörtlich in einer Erklärung, „kann ich nicht glauben, dass die Katholiken in diesem Papst ein moralisches Beispiel sehen“. (cds/kna/spiegel/ansa/afp) (NL Radio Vatikan, 21.12.2009.
21.12.2009 Vatikan: Kasper, „Synagogenbesuch nicht gefährdet“
Der bevorstehende Besuch von Papst Benedikt XVI. in der römischen Synagoge ist nach der jüdischen Kritik am Seligsprechungsverfahren für Pius XII. nicht gefährdet. Das stellte indessen Kurienkardinal Walter Kasper klar. Es wäre absurd, wenn man die für 17. Januar geplante Visite aus diesem Grund absagen würde, sagte der vatikanische Ökumeneminister im Interview der Tageszeitung „La Stampa“ (Montag). Es handele sich um emotionale Polemiken; insgesamt gebe es gegenwärtig nur wenig Widerstand gegen eine Seligsprechung des Pacelli-Papstes, so der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates. Mit Blick auf das jüdisch-katholische Gespräch zeigte sich der vatikanische Ökumeneminister zuversichtlich, dass der gute Wille am Ende obsiegen werde. Der Dialog sei keine Option, sondern eine „innere Notwendigkeit“, sagte Kasper. (kna) (NL Radio Vatikan, 21.12.2009).
21.12.2009 Vatikan: Papstsprecher verteidigt Vorgehen zu Pius XII.
Es ist nicht die Absicht des Vatikans, Dokumente aus dem Pontifikat Pius XII. zu verheimlichen. Das hat Vatikansprecher Pater Federico Lombardi in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ betont. Die entsprechenden Dokumente müssten zunächst systematisch archiviert werden, sagte Lombardi in dem an diesem Montag veröffentlichten Interview.
Dass die Archivalien noch nicht öffentlich zugänglich sind, habe nichts mit „Geheimhaltungstaktiken“ zu tun, so Lombardi. Er reagiert damit auf jüngste Kritik, die dem Vatikan vorwirft, Dokumente zu Papst Pius XII. zurückzuhalten. So hatte etwa ein Sprecher des israelischen Außenministeriums den Vatikan am Wochenende aufgefordert, seine Archive zu öffnen. Die Verzögerung dabei hinge mit dem methodischen Vorgehen bei der Ordnung der historischen Quellen zusammen, so Lombardi weiter. Es sei die Tradition des Vatikanarchivs dabei nach der Chronologie der Päpste vorzugehen. Hinzu käme, dass die Dokumente aus dem Pontifikat Pius XII. entsprechend kategorisiert werden müssten. Lombardi wörtlich: „Das sind rund sechzehn Millionen einzelne Blätter. (…) Es dauert mindestens noch fünf bis sechs Jahre, um das gesamte Material zu ordnen.“ Anlass für die Kritik am Vatikan war die Entscheidung Papst Benedikts XVI., Pius XII. den heroischen Tugendgrad zuzusprechen – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Seligsprechung des Pacelli-Papstes. (rv/corriere) (NL Radio Vatikan, 21.12.2009).
02.11.2009 Israel: „Visafrage ist ein Dauerthema“
Das israelische Innenministerium verschärft die Bestimmungen für Einreise- und Aufenthaltsvisa für Priester und Ordensleute. Katholische Geistliche aus Afrika erhalten künftig gar keine Visa mehr, während europäische Priester nur noch Einjahres-Visa bekommen. Die Kirche in Israel ist besorgt. Wir haben Gabi Fröhlich, unsere Korrespondentin in Jerusalem, gefragt, wie es im Moment konkret aussieht in Sachen Visa für Priester.
„Die Visafrage ist für die Kirche im Heiligen Land tatsächlich ein Dauerthema, der Franziskaner-Kustos hat das vor kurzem einmal als „nervenaufreibendes Thema“ bezeichnet; es gibt da ständige Aufs und Abs, und vor allem ist das problematisch für die Priester aus den arabischen Ländern. Das Lateinische Patriarchat hat jetzt 1 ½ Monate Behördengänge für das Visum eines jordanischen Priesters hinter sich, bis das endlich wieder erneuert wurde! Das ist nur ein Beispiel von vielen, gerade im Lateinischen Patriarchat ist dieses Thema besonders schwierig, weil die praktisch nur arabische Priester haben.
Dann gibt es aber auch Schwierigkeiten mit Ländern, die keine oder wenig politische Beziehungen mit Israel haben, wie zum Beispiel manche afrikanische Länder. Aber auch für Europäer ist es in den letzten Jahren wieder mühsamer geworden: Da sind zum Beispiel früher Visa für fünf Jahre vergeben worden; jetzt gibt es sie nur noch für ein Jahr, d.h. so manche Sekretärin von kirchlichen Einrichtungen verbringt ihre halben Arbeitstage in den Behörden, um die Visa für die Leute aus ihren Bibelinstituten oder was auch immer zu erneuern.“ (rv/asianews) (Nl Radio Vatikan, 02.11.2009).
21.05.2009 Jerusalem: Kirchenvertreter fragen sich, warum nur etwa 3.000 Menschen zur Papstmesse vom 12. Mai in Jerusalem kommen konnten.

Das israelische Außenministerium erwägt derzeit keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan. Das teilte der Sprecher des Ministeriums jetzt mit. Er widersprach damit dem israelischen Religionsminister Jithzak Cohen, der im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen Abbruch der Beziehungen erwogen hatte. Hintergrund sind israelische Verstimmungen über den Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson. Solche Äußerungen seien die persönliche Meinung des Religionsministers, sagte der Sprecher des Außenministeriums. Der Abbruch der Beziehungen zum Vatikan stehe „nicht auf der Tagesordnung“. Zur Aufhebung der Exkommunikation gegen vier traditionalistische Bischöfe wollte sich der Sprecher nicht äußern – das sei keine Angelegenheit, die das Verhältnis zwischen den Staaten betreffe. Auch der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, sagte der „Bild am Sonntag“: „Die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan waren, sind und werden immer sehr wichtig sein für Israel, und ich denke, auch für den Vatikan.“
Das Magazin „Focus“ berichtete unterdessen, Bischof Williamson dürfe bei der deutschen Piusbruderschaft nicht mehr auftreten. Am 30. Mai habe der britische Geistliche im Priesterseminar in Zaitzkofen (Kreis Regensburg) Diakone weihen wollen. „Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir ihn hier nicht mehr sehen wollen und dass er die Weihen nicht mehr durchführen darf“, sagte der Regens des St. Pius-Priesterseminars, Stefan Frey. Gegen Williamson ermittelt auch die deutsche Justiz wegen Holocaust-Leugnung. (kna/ansa) (NL Radio Vatikan, 01.02.2009).
31.01.2009 Hamburg (RPO): Israel will Beziehungen abbrechen
Nachdem Papst Benedikt XVI. den Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson rehabilitiert hat, gerät er immer stärker unter Druck. Nun droht Israel, die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abzubrechen.
Der israelische Minister für Religionsangelegenheiten, Jizchak Cohen, droht mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan. Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" empfahl Cohen, "die Verbindungen mit einer Körperschaft, in der Holocaust-Leugner und Antisemiten Mitglied sind, vollständig abzubrechen."
Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Salomon Korn, wertete die Entscheidung des Papstes als "Rückfall in frühere Jahrhunderte". Benedikt XVI. habe "einen Holocaust-Leugner gesellschaftsfähig gemacht". Das sei "unverzeihlich" und habe gezeigt, "dass er die Versöhnung mit den Juden, die seine Vorgänger vorangebracht haben, in Frage stellt", sagte Korn dem "Spiegel". (SPIEGEL und Rheinische Post, 31.01.2009).
28.01.2009 Vatikan: „Juden waren unschuldige Opfer“
„In diesen Tagen, in denen wir der Shoah gedenken, kommen mir Bilder meiner wiederholten Besuche in Auschwitz wieder in Erinnerung, einem der Lager, in dem der zynische Mord an Millionen von Juden, den unschuldigen Opfern eines blinden Rassen- und Religionshasses, verübt wurde. Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern des ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn sie das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die teilweise Verdrängung. Denn Gewalt, die gegen einen einzigen Menschen ausgeübt wird, wird gegen alle verübt. ,Kein Mensch ist eine Insel’, schrieb ein bekannter Poet. Die Shoah möge sowohl die alten als auch die jungen Generationen lehren, dass nur der mühsame Weg des Aufeinander-Hörens, des Dialogs, der Liebe und der Vergebung die Völker, Kulturen und Religionen der Welt zum gewünschten Ziel der Brüderlichkeit und des Friedens in Wahrheit führt. Gewalt soll die Würde des Menschen nie wieder demütigen.“ (rv) (NL Radio Vatikan, 28.01.2009).
Papst-Sprecher unterstreicht klare Worte des Papstes
Die wiederholt deutlichen Worte des Papstes zur Shoah sollten mehr als ausreichend sein, um letzte Zweifel über die Position der katholischen Kirche in dieser Angelegenheit aus dem Weg zu räumen. Das unterstrich Vatikansprecher Pater Federico Lombardi nach der Generalaudienz an diesem Mittwoch. Wünschenswert wäre ein Treffen zwischen dem Jerusalemer Oberrabbinat und der vatikanischen Kommission für den Dialog mit dem Judentum, um diese Fragen weiter zu vertiefen und einen Dialog voranzutreiben, sagte Lombardi weiter. (rv) (NL Radio Vatikan, 28.01.2009).
„Dialog nicht unterbrochen“
Der Dialog zwischen dem Vatikan und dem Jerusalemer Oberrabbinat ist nach Angaben des Vatikans nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Der Dialog sei keinesfalls abgebrochen worden, wies Norbert Hofmann, Sekretär der Kommission für die Beziehungen zum Judentum, israelische Pressemeldungen zurück. Allerdings plane man, die ursprünglich für 1. bis 4. März vorgesehene nächste Dialogrunde auf einen ruhigeren Zeitpunkt zu verschieben. Eine endgültige Entscheidung solle in den nächsten Tagen fallen, so Hofmann. - Die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“ veröffentlichte an diesem Mittwoch ein Artikel, in dem über einen angeblichen Abbruch der Gespräche zwischen dem Oberrabbinat und dem Vatikan spekuliert wurde. (kna/adnkronos) (NL Radio Vatikan, 28.01.2009).
Maulkorb für umstrittenen Bischof
Der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, hat seinem umstrittenen Mitbruder Richard Williamson nach dem Wirbel um dessen Holocaust-Leugnung ein Redeverbot erteilt. Er habe dem britischen Bischof „bis auf weiteres jedwede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen“ untersagt, teilte Fellay am Dienstag im Hauptsitz der Bruderschaft in Menzingen mit. Die Priesterbruderschaft bitte „den Heiligen Vater und alle Menschen guten Willens um Entschuldigung für den dadurch hervorgerufenen Ärger“ bitten. Die Äußerungen Williamsons gäben „in keiner Weise“ die Haltung der Piusbruderschaft wieder. Ein Bischof könne „nur zu Fragen des Glaubens und der Moral mit religiöser Autorität sprechen“. Die Bruderschaft beanspruche „keinerlei Autorität über historische oder andere säkulare Fragen“. (pm/ansa) (NL Radio Vatikan, 28.01.2009).
28.01.2009 Israel: Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel entsetzt
Williamsons kirchliche Rehabilitierung löste große Empörung aus, vor allem bei jüdischen Vertretern. Wie am Mittwoch bekannt wurde, setzte das israelische Ober-Rabbinat die offiziellen Beziehungen zum Vatikan aus. Das Einfrieren der Kontakte sei „unbefristet“, berichtete die „Jerusalem Post“. „Ohne eine öffentliche Entschuldigung und eine Rücknahme dieser Maßnahme wird es schwierig sein, den Dialog fortzusetzen“, zitierte das Blatt aus einem Brief des Generaldirektors des Gremiums, Oded Weiner, an den Vatikan. Das Ober-Rabbinat sagte außerdem seine Teilnahme an einer Anfang März geplanten christlich-jüdischen Dialogrunde im Vatikan ab.(aus: FOCUS-Online Politik).
27.01.2009 Orthodoxe Rabbinerkonferenz beendet Dialog mit Vatikan
Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland will ihren Dialog mit dem Vatikan abbrechen. Der Grund ist die Rücknahme der Exkommunikation des Erzbischofs und Holocaust-Leugners Williamson durch Papst Benedikt XVI. Die Brücken, die in der Vergangenheit gebaut worden waren, seien nun zum Einstürzen gebracht worden. Das sagte der Düsseldorfer Rabbiner Soussan heute bei einer Tagung in Berlin. Das Verhalten des Papstes sei „nicht tragbar“ und entziehe dem Dialog jede Grundlage. Wie sich dies auf das bisher gute Verhältnis mit den Katholiken in Deutschland auswirke, sei noch unklar, so der Rabbiner weiter. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland trifft sich seit gestern in Berlin unter dem Thema „Israel und die Völker“.(epd; Domradio Köln, 27.01.2008).
23.01.2009 Nahost:
Ein UNO-Sonderberichterstatter sieht Hinweise für Kriegsverbrechen Israels. Der UNO-Experte zur Menschenrechtslage in den Palästinensergebieten, Richard Falk, plädiert für eine unabhängige Prüfung der dreiwöchigen Invasion Israels im Gaza-Streifen Bei den Angriffen auf dichtbesiedelte Gebiete habe man Zivilisten keine Chance gegeben, sich in Sicherheit zu bringen. Die im Gazastreifen regierende radikal-islamische Hamas kündigte an, es werde Geldzahlungen für diejenigen geben, die besonders schwer von der israelischen Offensive betroffen seien. (dw)(NL Radio Vatikan, 23.01.2009).
23.01.2009 Berlin: Katholischer Kommentar zu Israel sorgt für Empörung
Ein israelkritischer Kommentar in der "Katholischen SonntagsZeitung für Deutschland" sorgt für Wirbel. Der Verleger des Blattes, Dirk Hermann Voß, hatte in der jüngsten Ausgabe in einem Leitartikel die israelische Regierung für ihren Einsatz im Gazastreifen heftig attackiert. Sie verhalte sich "wie in einem Blutrausch" und habe sich "vollständig der Logik der Gewalt" verschrieben. Zwar räumt Voß ein, dass zuvor die Hamas Israel mit Raketen beschossen hatte. Doch hätten sich die Palästinenser erst "unter jahrzehntelangen unerträglichen Lebensbedingungen" radikalisiert. Voß erwähnt auch die umstrittenen Äußerungen des vatikanischen Menschenrechtsbeauftragten Renato Raffaele Martino, der die Lebensbedingungen im Gazastreifen mit einem Konzentrationslager verglichen hatte. Martino habe damit "der ohnmächtigen Empörung der Welt über die israelischen Kriegsverbrechen im Gazastreifen jetzt eine Stimme gegeben". Wenn die "übermächtige Militärmacht Israel noch länger die Gesetze der Menschlichkeit" missachte, könne der Kampf politisch wie das Duell Davids gegen Goliath ausgehen. In einer früheren Ausgabe hatte Voß Israel "Staatsterrorismus" vorgeworfen.
"Irritierend" nannte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, Voß' Kommentar. Sie kündigte an, ihre "Betroffenheit" persönlich dem Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky mitzuteilen. In Berlin erscheint das Kirchenblatt unter dem Titel "Katholische Sonntagszeitung für das Erzbistum Berlin" mit einem Regionalteil. "Wir sind über die Wortwahl von Herrn Voß entsetzt", sagte Bistumssprecher Stefan Förner der WELT. "Das ist nicht die Linie des Bistums." Formal ist Kardinal Sterzinsky nicht für den Kommentar zuständig. Denn der war im Mantelteil der "Katholischen Sonntagszeitung" erschienen, Sterzinsky ist nur Herausgeber des Regionalteils. Für den Leser ist der Unterschied aber nur durch einen Blick ins Impressum erkennbar.
Verleger Voß hält an seiner Wortwahl fest. Mit seiner "scharfen Kritik" habe er seine Besorgnis über das Vorgehen der israelischen Regierung zum Ausdruck bringen wollen, sagte Voß der WELT. Das Existenzrecht Israels stelle er genauso wenig infrage wie das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser. Die "Katholische Sonntagszeitung für Deutschland" erscheint bundesweit mit einer Auflage von 75 321 Exemplaren. mir (WELT Online, 23.01.2009).
17.01.2009 Vatikan: Der Vatikan hat die Entscheidung der italienischen Rabbiner-Konferenz bedauert, den Veranstaltungen zum katholischen „Tag des Judentums“ am 17. Januar fernzubleiben. Für Papst Benedikt XVI. sei der Dialog mit dem Judentum eine „Herzensangelegenheit“, schreibt die Vatikanzeitung „L'Osservatore Romano“ am Samstag. Der Papst begreife den Dialog als „eine Aussöhnung nach einer langen, schwierigen und komplexen Geschichte zwischen Juden und Christen“, so Pater Norbert Hofmann, Sekretär der Vatikan-Kommission für die Beziehungen zum Judentum. Italiens Rabbiner hatten ihre Teilnahme unter Hinweis auf die neue katholische Karfreitagsfürbitte abgesagt, da sie ihrer Ansicht nach eine Aufforderung zur Judenmission enthalte. Der „Tag des Judentums“ wird auch in Österreich, Polen und den Niederlanden begangen. Der christlich-jüdische Dialog basiere auf einem „soliden Fundament, das sich nicht so leicht erschüttern lässt“, heißt es in dem „Osservatore“-Kommentar auch unter Hinweis auf die jüngste Debatte um das angeblichen Schweigen von Papst Pius XII. in der Zeit des Nationalsozialismus. Man habe gelernt, auch über kontroverse Themen in Freundschaft und gegenseitigem Vertrauen zu diskutieren. „Dazu hat Papst Benedikt XVI. mit seinem eigenen Engagement einen unverzichtbaren Beitrag geleistet“, betont Hofmann. Die Reaktion auf die Karfreitagsfürbitte, die Benedikt XVI. im vergangenen Jahr für den außerordentlichen Ritus eingeführt hatte, sei in den verschiedenen Ländern unterschiedlich stark ausgefallen, gab der Sekretär zu bedenken. Hinter den Kulissen habe man nie an ein Ende des vor 43 Jahren aufgenommenen Dialogs gedacht. Vielmehr sei die Zusammenarbeit sogar intensiviert worden, um die Schwierigkeiten zu überwinden. (kna)(NL Radio Vatikan, 17.01.2009).
16.01.2009 Link zu einem interessanten Artikel von Sandro Magister: Jews and the Catholic Church. The Rabbis of Italy Don't Like This Pope
15.01.2009 Italien: Kein Zwist mit Judentum
Der Dialog zwischen Christen und Juden ist nicht nur „nicht unterbrochen“, sondern sogar auf einem guten Weg. Das betont der Verantwortliche der italienischen Bischofskonferenz für den Dialog mit dem Judentum, Bischof Vincenzo Paglia. Er reagiert damit auf eine Aussage des venezianischen Oberrabbiners Elia Enrico Richetti, der durch die Karfreitagsfürbitte in der außerordentlichen Form des alten Messritus den Dialog zwischen Juden und Christen „um 50 Jahre zurückgeworfen“ sieht. Bischof Paglia sagte uns:
„Wir haben diesen Zwist wegen der Fürbitte für die Juden, denke ich, bereits ausgeräumt. Ich selbst habe u.a. mit dem römischen Oberrabbiner gesprochen, und wir waren uns einig, dass dieser kleine Zwischenfall jetzt ein Anlass ist, um – vielleicht mit mehr Intelligenz und mehr Mut – diesen Dialog zu vertiefen, der in den vergangenen 50 Jahren einen außerordentlichen Erfolg erzielt hat und zweifellos unumkehrbar ist. Wir müssen klug sein und dumme Vereinfachungen meiden, die beiden Seiten schaden.“ . . . (rv) (NL Radio Vatikan, 15.01.2009).
14.01.2009 Vatikan/Italien:
Erneut sorgt die Kritik eines Rabbiners an Papst Benedikt XVI. für Diskussionen. Unter Benedikt sei der christlich-jüdische Dialog um 50 Jahre zurückgefallen, schrieb Venedigs Rabbiner Elio Enrico Richetti in der jüngsten Ausgabe der italienischen Jesuitenzeitschrift „Popoli“. Der Papst halte diesen „Dialog für unnütz, weil die Überlegenheit des christlichen Glaubens bezeugt wird“, so der Rabbiner. Die Äußerungen sorgten für Widerspruch in Kirche, Judentum und Politik; an diesem Mittwoch hat der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper gegenüber der Tageszeitung „Corriere della Sera“ widersprochen und Juden und Christen dazu aufgerufen, nicht zu spalten. Der Papst sei vielmehr der festen Überzeugung, „dass wir miteinander sprechen und agieren müssen, durchaus im Bewusstsein unserer unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen“. In der derzeitigen Lage der westlichen Welt täten Gruppen, die fundamentale Werte gemeinsam haben, gut daran, einander nicht zu bekämpfen, so Kasper weiter. Kasper ist Präsident der Kommission für die Beziehung zum Judentum. - Der Rabbiner Venedigs hatte seine Kritik mit dem Hinweis auf die geänderte lateinische Karfreitagsfürbitte sowie mit dem Dokument „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000 zum katholischen Kirchenverständnis begründet. Anlass für die Äußerungen Richettis in der Jesuitenzeitschrift war die bereits im vergangenen Herbst gefallene Entscheidung der Rabbiner-Konferenz Italiens, in diesem Jahr nicht an den von der Bischofskonferenz angesetzten „Tag des Judentums“ am 17. Januar teilzunehmen. (apic/kna) (NL Radio Vatikan, 14.01.2009).
05.01.2009 Vatikan, Gaza und Israel: Hintergrundbericht von Sandro Magister
16.12.2008 (zur Meldung vom 10.12.2008/3) Israel:
Israel hat einen UNO-Diplomaten ausgewiesen. Der Sonderberichterstatter für die Palästinensergebiete, der US-Amerikaner Richard Falk, wurde am Flughafen Tel Aviv an der Einreise gehindert, so die israelische Zeitung Ha’Aretz. Er musste daraufhin wieder zurück in die Schweiz fliegen. Vergangene Woche hatte er vor der UNO in Genf Menschenrechtsverletzungen Israels in den Palästinensergebieten angeprangert und das israelische Verhalten gegenüber der arabischen Bevölkerung als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet. (misna)(NL Radio Vatikan, 16.12.2008). -- Die "passende" Antwort Israels auf Kritik! [GH].
10.12.2008 Deutschland:
Der Zentralrat der Juden hat die katholische Kirche aufgefordert, sich umgehend und klar von der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu distanzieren. Was die vom Vatikan nicht anerkannte Priesterbruderschaft über das Judentum verbreite, sei „giftmischerisch“ und ein „bösartiger Angriff auf jeden Kurs der Verständigung und Versöhnung zwischen katholischer Kirche und Judentum“, sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, an diesem Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Frankfurt. Die Priesterbruderschaft hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Brief an die katholischen deutschen Bischöfe eine umfassende Kursänderung in der Kirche gefordert und unter anderem auch den Dialog mit dem Judentum kritisiert. Dazu heißt es in dem vom deutschen Distriktoberen, Pater Franz Schmidberger, formulierten Brief, die heutigen Juden seien „nicht nur nicht unsere älteren Brüder im Glauben, wie der Papst bei seinem Synagogenbesuch in Rom 1986 behauptete; sie sind vielmehr des Gottesmordes mitschuldig, so lange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren“. Graumann sagte dazu, es handele sich um die schlimmsten Klischees gegen Juden, die in der Geschichte immer wieder zu Pogromen und auch zum Holocaust geführt hätten. Der Zentralrat erwarte von der Deutschen Bischofskonferenz ein klares Signal der Distanzierung von der Priesterbruderschaft. Eine solche Strömung dürfe in der katholischen Kirche keinen Platz haben. (kna) (NL Radio Vatikan, 10.12.2008). -- Wenn der Vatikan die Priesterbruderschaft nicht anerkennt, wie ja ausdrücklich gesagt wird, und diese selbst in offener Feindschaft zur katholischen Kirche steht, also gar kein Teil von ihr ist: Wieso wird da wieder die katholische Kirche für etwas verantwortlich gemacht, worauf sie keinen Einfluss hat, und von dem sie sich schon dadurch distanziert, dass sie die besagte Bruderschaft nicht als katholisch anerkennt? [GH].
10.12.2008 Deutschland: Nach Kritik des Zentralrats der Juden ist ein Symposium über „Das Gottesbild im Islam“ an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) abgesagt worden. Damit würden die Bedenken des Zentralrats respektiert, erklärten am Mittwoch die drei federführenden katholischen Lehrstühle für Dogmatik, Fundamentaltheologie und Religionspädagogik. Zu dem Symposium am Mittwochabend waren drei schiitische Islamwissenschaftler aus dem Iran und den USA als Gastreferenten eingeladen. Von jüdischer Seite wurde die Befürchtung geäußert, die Veranstaltung könnte zu einem Forum für die Propaganda eines menschenverachtenden Regimes genutzt werden. Die Voraussetzungen für eine objektive wissenschaftliche Diskussion seien durch im Vorfeld entstandene „politische Irritationen“ nicht mehr gewährleistet, begründeten die Veranstalter die Absage. Der Münchner Dogmatikprofessor Bertram Stubenrauch betonte, der Dialog mit den drei islamischen Theologen solle dennoch geführt werden. Die Auseinandersetzung habe gezeigt, wie wichtig das wissenschaftliche Gespräch sei. An der Organisation des Symposiums war auch das Zentrum für Ökumenische Forschung an der LMU und die Benedictus-Stiftung beteiligt. (kna)(NL Radio Vatikan, 10.12.2008). -- So weit sind wir also inzwischen, dass andere bestimmen, was katholischerseits zu tun und zu lassen ist: Papst Pius XII., die Fürbitten, die alte Liturgie, die Priesterbruderschaft St. Pius X., wissenschaftliche Veranstaltungen einer katholisch-theologischen Fakultät ... Was folgt als nächstes?
Diese Meldung ist auch von heute:
10.12.2008 Nahost:
Die UNO hat Israel aufgefordert, Folter an palästinensischen Gefangenen zu unterlassen. Das geht aus einem Bericht des Menschenrechtsrats in Genf hervor. In der „Universal Periodic Review“ heißt es, Israel müsse mit allen Formen von Misshandlungen und erniedrigenden Bestrafungen aufhören. Der Bericht fordert das Land zudem auf, die Anti-Folter-Konvention zu ratifizieren und in den palästinensischen Gebieten die Rechte Minderjähriger zu respektieren. Der Berichterstatter der UNO in den Palästinensergebieten, Richard Falk, bezeichnete das israelische Verhalten gegenüber der arabischen Bevölkerung am Dienstag als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. (misna/asianews) (NL Radio Vatikan, 10.12.2008).
24.11.2008 Vatikan/Italien:
Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni hat die Absage von Papst Benedikt XVI. an einen interreligiösen Dialog über Glaubensinhalte begrüßt.
Man müsse dem Papst für seine Klarstellung danken, sagte Di Segni der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Montag). Jede Religion habe unüberschreitbare Grenzen, die respektiert werden müssten. Ein Dialog auf theologischer Ebene sei nicht möglich. Andernfalls erzeuge man nur Missverständnisse und eine „kontraproduktive Rhetorik“, so der Rabbiner. – Benedikt XVI. hatte in einem Vorwort für ein am Dienstag erscheinendes Buch des ehemaligen italienischen Senatspräsidenten und Philosophieprofessors Marcello Pera geschrieben, ein interreligiöser Dialog „im engen Sinn des Wortes“ sei nicht möglich, „ohne den eigenen Glauben in Klammern zu setzen“. Auch der Begriff Multikulturalität besitze eine „innere Widersprüchlichkeit“ und sei politisch wie kulturell nicht umsetzbar. (kna) (NL Radio Vatikan, 24.11.2008).
21.11.2008 Italien: Weiter Missstimmung bei Juden
Der Streit um die Karfreitagsfürbitte hält an: Die italienische Rabbinerkonferenz wird nicht am nationalen Tag für Jüdisch-Katholischen Dialog teilnehmen. Zeitgleich begeht sie am 17. Januar statt dessen einen Tag des Judentums. Zur Begründung führte der Präsident der Konferenz, Rabbiner Giuseppe Laras, die umstrittene Fürbitte in lateinischer Sprache im sogenannten außerordentlichen Ritus der Messfeier an. Die Katholiken beten demnach für die „Erleuchtung der Herzen, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen“. Eine Debatte um die Anerkennung und den Respekt der jüdischen Religion dauert seit der Änderung durch Papst Benedikt an.
Der Dialog- und Ökumenebischof der italienischen Bischofskonferenz mahnt jedoch, den Blick für das Ganze der gemeinsamen Geschichte nicht zu verlieren. Bischof Vincenzo Paglia:
„Diese Entscheidung ist schmerzhaft, aber ich würde sie nicht allzu nachdrücklich betonen. Der Rabbiner selbst wünscht sich in seiner Erklärung ja bereits, dass der Dialog wieder aufgenommen und weiter geführt wird. Wir begehen diesen Gedenktag für den jüdisch-katholischen Dialog dennoch: Es entsteht zwar eine Wunde, aber wir wünschen uns, dass sie hilft diese unverzichtbare Verbindung zwischen Juden und Christen noch zu vertiefen.“
Er selbst, so Paglia, stehe wegen der Fürbitte seit einigen Monaten mit Rabbiner Laras in Kontakt. Die Frage der „Erleuchtung der Juden“ sei hier endzeitlich zu verstehen, das Wann und Wie werde Gott anvertraut. Für ihn sei dieses Problem gelöst, meint Paglia. Andere Felder erforderten die Einigkeit von Juden und Christen: „Leider gibt es noch immer Brandherde von Antisemitismus. Die sind besorgniserregend und verlangen erhöhte Aufmerksamkeit. Wir müssen unsere Beziehungen immer mehr intensivieren, um derartige Strömungen im Keim zu ersticken. Ich möchte deshalb sagen: ,Liebe jüdische Freunde, wir dürfen uns in solchen Problemen nicht verlieren. Wir müssen geeint gegen jede Form des Antisemitismus kämpfen. Von dem einen Gott sprechen, von Werten und heiligmäßigem Verhalten und auch von dieser endzeitlichen Erwartung, dass Gott sich ganz zeigt - ich denke, dass diese Aufgabe absolute Priorität hat.“ (rv) (NL Radio Vatikan, 21.11.2008).
28.10.2008 Vatikan: Papst Benedikt hat die Kirche in der ganzen Welt angewiesen, den Gottesnamen „Jahwe“ nicht mehr in der Liturgie, in Gebeten oder Kirchenliedern zu verwenden. Das wurde jetzt am Rand der römischen Bischofssynode, die am Sonntag im Vatikan endete, bekannt. Die Anweisung sei in einem Rundbrief der Gottesdienst-Kongregation enthalten, die kürzlich allen Bischofskonferenzen zugegangen sei. Von dem Text vom Juni 2008, der bislang nicht veröffentlicht wurde, spricht die italienische Tageszeitung „La Repubblica“. Er trage die Unterschrift von Kurienkardinal Francis Arinze. Wörtlich heiße es darin: „Man darf den Namen Gottes nicht in der Form des Tetragramms YHVH aussprechen.“ Der Papst kommt damit einer Bitte des römischen Oberrabbiners Riccardo Di Segni nach, die dieser im Januar 2006 bei einer Privataudienz äußerte. Benedikt habe sich sein Anliegen „sehr aufmerksam und bereitwillig angehört und gesagt, dass es sich da tatsächlich um eine Abweichung von der Tradition handle“, so Di Segni. Die Anweisung, die der Papst jetzt gegeben habe, sei „ein Zeichen des Respekts gegenüber jüdischen Sensibilitäten“. Der liturgische Gebrauch des Gottesnamens „Jahwe“ ist bei protestantischen Christen viel mehr verbreitet als bei Katholiken. (la repubblica) (NL Radio Vatikan, 28.10.2008).
22.10.2008 Vatikan: Auch die Vatikanzeitung „L'Osservatore Romano” berichtet über die beleidigende Fotomontage zu Papst Benedikt auf einer israelischen Homepage. Ein Internet-Auftritt, der der Regierungspartei Kadima nahesteht, hatte über einen Artikel über Pius XII. eine Fotomontage gesetzt. Auf ihr war Papst Benedikt XVI. mit einem Hakenkreuz auf dem Gewand zu sehen. Die Vatikanzeitung berichtet, dass die wahrscheinliche künftige Ministerpräsidentin Israels, Tzipi Livni, „energisch” gegen die Darstellung protestiert habe. Sie habe dafür gesorgt, dass es durch ein freundliches Bild Benedikts ohne Hakenkreuz ausgetauscht wurde. (or)(NL Radio Vatikan, 22.10.2008).
11.06.2008 Vereinigte Staaten:
Papst Benedikt XVI. wird am 19. Juni eine Gruppe von jüdischen Holocaust-Überlebenden im Vatikan empfangen. Sie wollen danken für die Intervention der Kirche während der Nazizeit, die ihnen das Überleben der Shoah ermöglicht hat, meldet die Internetagentur „Zenit“. Organisiert wird der Besuch von der Stiftung „Den Weg ebnen”. Ein wichtiges Anliegen der Stiftung ist es, mit historischen Fakten das reale Engagement der Kirche bei der Rettung von Juden während des Dritten Reiches zu belegen. Der US-amerikanische Stiftungsgründer Gary Krupp arbeitet seit 2003 daran, die Schranken zwischen den verschiedenen Religionen durch kulturellen, technologischen und intellektuellen Austausch zu überwinden. (zenit) (NL Radio Vatikan, 11.06.2008).
05.06.2008 Brüssel:
Die Brüsseler Synagoge trägt seit einigen Stunden den Titel „Große Synagoge Europas”. Er wurde ihr in einer Feier im Beisein des britischen Großrabbiners Jonathan Sacks und des EU-Kommissionspräsidenten Josemanuel Barroso verliehen. Die jüdische Gemeinschaft will mit dem Titel ihr Interesse an einer sichtbaren Präsenz im EU-Entscheidungsprozess zeigen (Hervorhebung von G.H.). Bei der Feier in Brüssel wurde ein spezielles Gebet für Europa gesungen. Die jüdische Gemeinschaft in Brüssel nimmt seit Barrosos Amtsantritt an der Spitze der EU-Kommission mehr Interesse an Religionen insgesamt wahr. (ansa) (NL Radio Vatikan, 05.06.2008).
Nicht zu glauben!
19.05.2008 Deutschland:
Der liberale Rabbiner Walter Homolka hat Papst Benedikt XVI. für das Festhalten am kirchlichen Missionsanspruch kritisiert. Das Judentum lehne Mission ab, sagte Homolka am Sonntagabend in Berlin dem ZDF. Es sei stillos, noch heute Mission anzustreben. Die Sendung wurde im Vorfeld des Katholikentags in Osnabrück aufgezeichnet, der am Mittwoch eröffnet wird. Mit Blick auf die neu formulierte lateinische Karfreitagsfürbitte für die Juden im tridentinischen Messritus sagte er: „Wir möchten weder bebetet noch missioniert werden.” Homolka hatte seine Teilnahme am Katholikentag aus Protest gegen die Karfreitagsfürbitte abgesagt. Am Rande der Sendung begrüßte der Rektor des Potsdamer Abraham-Geiger-Kollegs zur Ausbildung von Rabbinern die jüngsten Äußerungen von Kurienkardinal Walter Kasper zur Karfreitagsfürbitte. Kasper schloss in einem Interview der in Ulm erscheinenden „Südwest-Presse” (Montag) eine Korrektur nicht aus. „Es kann schon nochmals daran gearbeitet werden”, so der für den Dialog mit dem Judentum zuständige Kurienkardinal zur Katholischen Nachrichten-Agentur. (kna) (NL Radio Vatikan, 19.05.2008).
05.04.2008 Vatikan: Reaktionen von jüdischer Seite auf die Erklärung zur Karfreitagsfürbitte
Die Erklärung des Heiligen Stuhls zur umformulierten Karfreitagsfürbitte in der alten Messe hat auf jüdischer Seite unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. „Zwei Schritte vorwärts, drei zurück“, kommentierte aus New York Abraham Foxman, der Nationaldirektor der Anti-Defamation-League, einer der wichtigsten jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten. Foxman begrüßte die Bemühung des Vatikans, eine herzliche Beziehung des gegenseitigen Respekts aufrecht zu erhalten. Allerdings hätte die vatikanische Erklärung eine direkte Ablehnung jeder Form von Judenmission enthalten sollen, so Foxman. Hingegen hat der US-amerikanische Rabbiner Jack Bemporad von New Jersey mit „Genugtuung“ auf das Schreiben aus dem Vatikan reagiert. „Diese Präzisierung war wichtig, sie dient der Klarstellung“, zitiert ihn eine italienische Nachrichtenagentur. „Dieser Papst will sein Möglichstes tun, um den jüdisch-katholischen Dialog zu verbessern“. Nicht klar genug ist das Statement zur Karfreitagsfürbitte für den römischen Oberrabbiner Riccardo di Segni. „Was wir in der Erklärung gerne gehört hätten, ist, dass die Kirche nicht für die Bekehrung der Juden betet oder dass sie diesen Wunsch zumindest auf das Ende der Zeiten verschiebt und der alleinigen Entscheidung Gottes überlässt“, so der Oberrabbiner. (rv) (NL Radio Vatikan, 05.04.2008).
04.03.2008 Vereinigte Staaten:
Der Vatikan plant ein Erläuterungsschreiben zur umstrittenen Karfreitagsfürbitte für Liturgiefeiern nach dem alten Ritus von 1962. Es solle noch vor dem am 16. April beginnenden USA-Besuch Papst Benedikts vorliegen, berichtete der im jüdisch-christlichen Dialog engagierte Rabbiner David Rosen am Freitag im Gespräch mit der New Yorker „Jewish Telegraphic Agency”. Rosen ist Präsident des „International Jewish Comittee on Interreligious Consultations”. Der Rabbiner sagte, er habe einen Entwurf des Schreiben zugestellt bekommen. Wenn die Bestätigung komme, dass es sich um ein Gebet in der Perspektive der Endzeit handelt, das aber keine Änderung in den jüdisch-katholischen Beziehungen impliziert, „sollten wir zufrieden sein und den Dialog wie bisher fortsetzen”, so Rosen im Gespräch mit der jüdischen Nachrichtenagentur. Bereits vor drei Wochen war die Steuerungsgruppe für den vatikanisch-jüdischen Dialog zu Gesprächen im Vatikan zusammengetroffen. Die jüdische Delegation hatte Rabbiner Rosen angeführt. Von katholischer Seite nahmen der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, und der für die katholisch-jüdischen Beziehungen zuständige Kardinal Walter Kasper an den Beratungen teil. - Papst Benedikt XVI. trifft laut Programm am 17. April im Washingtoner „John Paul II Cultural Center” mit Vertretern der Weltreligionen zusammen. Neben jüdischen Repräsentanten aus den USA werden auch Muslime und Buddhisten teilnehmen. (kap) (NL Radio Vatikan, 03.04.2008).
01.04.2008 Deutschland:
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat die vom Papst neu formulierte Karfreitagsfürbitte für die Juden abermals scharf kritisiert. Sie gehe davon aus, dass es keinen weiteren Dialog mit dem Vatikan geben kann, solange dieser an der Fürbitte in der Liturgie nach „altem Usus” festhält. „Implizit ist in der Karfreitagsfürbitte ein subtiler Aufruf zur Missionierung der Juden enthalten, den ich als arroganten Affront auffassen muss und der einen klaren Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog bedeutet”, zitierte die israelische Zeitung „Jerusalem Post” Knobloch am Montag. Für den jüdischen Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik aus Frankfurt bedeutet der Text der neuen Karfreitagsfürbitte laut „Jerusalem Post” keine neue Welle des Antisemitismus. Er festige aber „Haltungen traditioneller Katholiken, wonach Juden weniger befähigt seien und finstere Herzen hätten”.
Kardinal Karl Lehmann nennt derweil die Vorwürfe gegen die Karfreitagsfürbitte „schlechthin unbegründet”. Er könne „beim besten Willen keinen Aufruf auch nur zu einer indirekten Judenmission entdecken”, schreibt der Mainzer Bischof in seiner Bistumszeitung. Von der Wertschätzung des Judentums werde durch den Text kein Jota zurückgenommen. Lehmann findet es erschreckend, wie rasch und offensichtlich uninformiert Kritiker über den Text hergefallen seien. Bei ruhiger und nüchterner Überlegung hätten manche Worte nicht fallen dürfen. Damit meine er allerdings nicht nur jüdische Kritiker, sondern auch „überhitzte Stellungnahmen von katholischer und evangelischer Seite”. (kap/kna) (NL Radio Vatikan, 01.04.2008). -- Wann wird man auf katholischer Seite endlich begreifen, dass es zwischen Juden und Christen keine letzten theologischen Gemeinsamkeiten geben kann? Und dass den Juden jede kirchliche Äußerung per se suspekt ist? Also Schluss mit dem jüdisch-christlichen Getue und stattdessen der gebotene gegenseitige Respekt im Umgang miteinander! [GH].
31.03.2008 Italien:
Der frühere Oberrabbiner von Rom sieht die Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Judentum nicht in der Krise. „Wir sind da doch auf dem richtigen Weg”, meinte Elio Toaff in einem Interview. Die Aufregung um die neuformulierte Karfreitagsfürbitte im alten Messritus sei aus seiner Sicht unbegründet. Toaff wörtlich: „Seien wir doch ernsthaft. Jeder ist frei, zu beten, wie er glaubt; ich kann bestimmte Polemiken überhaupt nicht verstehen.” Toaff verteidigt auch Papst Pius XII.: Dieser sei aus seiner Sicht keineswegs ein Antisemit gewesen. Stattdessen habe er viele Juden „vor dem sicheren Tod gerettet”. (asca) (NL Radio Vatikan, 31.03.2008).
28.03.2008 Israel:
Die Behörden haben einem asiatischen Priester trotz gültigen Visums die Einreise verweigert. Der Franziskaner, der mit Theologiestudenten aus Rom an einer Pilgerfahrt ins Heilige Land teilnehmen wollte, wurde trotz seines Visums am Flughafen von Tel Aviv an der Einreise gehindert. Er musste unverrichteter Dinge nach Rom zurückkehren. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Asianews kommt der betroffene Geistliche aus einem asiatischen Land mit islamischer Bevölkerungsmehrheit, das keine diplomatischen Beziehungen zu Israel hat. Allerdings war dieser Umstand dem Innenministerium bereits im Moment der Visa-Bewilligung bekannt. Trotz der Proteste der ihn begleitenden Priester und Ordensleute wurde der Geistliche am Flughafen festgehalten und acht Stunden lang verhört, bevor er zur Rückkehr nach Rom gezwungen wurde. Immer wieder kommt es zu Visa-Schwierigkeiten für Priester in Israel, vor allem, wenn sie arabischer Herkunft sind. An einem Abkommen, das diese Frage klären könnte, verhandeln Israel und der Vatikan seit mehr als zehn Jahren – bisher ergebnislos. (asianews) (NL Radio Vatikan, 28.03.2008).
27.03.2008 Israel:
Kritik an der Verhandlungsführung der Regierung mit dem Vatikan
Der Rabbiner David Rosen kritisiert die israelische Regierung. Sie habe ihren Unterhändlern mit dem Vatikan „kein klares und explizites Mandat“ gegeben, um das Grundlagenabkommen von 1993 umzusetzen. Darum seien Verhandlungen über den Status der Kirche in Israel auch nach mehr als zehn Jahren noch zu keinem Ergebnis gekommen. Rosen, der ein Internationales Jüdisches Komitee für interreligiöse Begegnung leitet, äußerte sich im Gespräch mit der Online-Zeitung „Terrasanta“ der Franziskaner-Kustodie von Jerusalem. Neben einer „gewissen Inkompetenz“ bei den israelischen Unterhändlern sieht Rosen auch den Wunsch der Regierung von Tel Aviv, der katholischen Kirche keine zu große Extra-Behandlung im Heiligen Land zuteil werden zu lassen. Der Rabbiner gehörte selbst zur israelischen Delegation, die 1993 das bahnbrechende Grundlagenabkommen mit dem Vatikan aushandelte. Es führte zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen des Heiligen Stuhles mit Israel und machte auch den Weg für einen Papstbesuch im Heiligen Land frei. Rosen wörtlich: „Das ist das wahre Problem: Die Bürokraten wollen keinen Präzedenzfall schaffen, sie wollen vor allem der Kirche keine Vorteile bieten, die im jüdischen Staat weder Juden noch Moslems haben. Und die Politiker geben ihnen keine klaren Instruktionen – auch weil sie die Prämissen nicht verstehen, unter denen damals das Grundlagenabkommen eingegangen wurde.“ Der Vatikan hat immer wieder seinen Unmut darüber ausgedrückt, dass Eigentumsfragen und rechtlicher Status der Kirche in Israel nicht geklärt sind. (adnkronos) (NL Radio Vatikan, 27.03.2008).
11.03.2008 Deutschland:
Der Münchner jüdische Historiker Michael Wolffsohn hat die neue katholische Fürbitte für die Juden im außerordentlichen Karfreitagsritus scharf kritisiert. Sie sei der „größte theologische Rückschritt in Bezug auf das Judentum seit 1945”, sagte er am Dienstag in einem Interview. Der jüdische Wissenschaftler äußerte die Vermutung, rückwärtsgewandte Kräfte in Kurie und Weltkirche hätten dieses „völlig unnötige Thema” wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Er frage sich, „ob die katholische Kirche und der Papst im Besonderen nichts Wichtigeres zu tun haben”. Benedikt XVI. hatte die Fürbitte im außerordentlichen lateinischen Messritus, der im Sommer 2007 wieder zugelassen worden war, kürzlich neu gefasst. Dort heißt es nun, die Juden sollten Jesus als Retter aller Menschen erkennen. Im ordentlichen Ritus von 1970 wird gebetet, das jüdische Volk möge „zur Fülle der Erlösung” gelangen. Der Historiker kritisierte zugleich die Reaktionen des Zentralrats der Juden in Deutschland und einiger Rabbiner. Was von dort außer Empörung gekommen sei, sei theologisch nicht handfest. Die jüdische Seite sei am Gespräch mit dem Christentum nicht interessiert. „Mir fehlt eine jüdisch-christliche Theologie”, bemängelte der an der Universität der Bundeswehr München lehrende Wissenschaftler. Er rief dazu auf, statt der Karfreitagsfürbitte mehr das Verbindende zwischen Christen und Juden zu betonen. (kna) (NL Radio Vatikan, 11.03.2008) -- Mal abgesehen von der Unverschämtheit gegenüber dem Papst, der Kurie und der Weltkirche: hat Wolfssohn gar nicht mitbekommen, dass auf Druck der Juden die alte lateinische Fürbitte geändert wurde? Dass es die Juden schaffen, die Kirche Gottes in Verwirrung zu stürzen, ist schon erstaunlich. Wer gebietet den ewigen, unerleuchteten Forderungen an die Kirche von Juden, Protestanten, Muslimen, Politikern, sogenannten Katholiken "von unten" und anderen Besserwissern endlich einmal Einhalt und verbittet sich die Einmischung von außen, wie es jeder Gemeinschaft zusteht, die ihre Dinge selbst regeln kann? [GH].
10.03.2008 Vatikan: Kardinal Kasper:
„Fürbitte für Juden bleibt, wie sie ist”
Die negativen Äußerungen über die neu formulierte Karfreitagsfürbitte der Kirche reißen auf jüdischer Seite nicht ab. Kurienkardinal Walter Kasper bekräftigt derweil, Benedikt XVI. werde die Formulierung nicht mehr ändern.
Stein des Anstoßes: Die lateinische Fürbitte für die Juden im außerordentlichen „alten” Ritus der katholischen Messe. Sie wurde Anfang Februar von Papst Benedikt neu formuliert. Da wird mit Paulusworten darum gebetet, dass einst auch Israel Christus, den Retter aller Menschen, erkennen möge. Viele auf jüdischer Seite missverstehen das als aktuellen Aufruf zur Bekehrung der Juden zum Christentum. In der älteren Fassung der Fürbitte war noch explizit um eine solche Bekehrung gebetet worden. Eine jüdische Delegation aus Jerusalem will in den nächsten Tagen im Vatikan über die Fürbitte diskutieren. Der Papst werde dieses Gebet lassen, wie es ist, sagte Kardinal Kasper dem deutschen Fernsehen. Es sei aus katholischer Sicht theologisch völlig korrekt. Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone geht noch weiter: Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ansa fordert er am Rande eines Besuches in Aserbaidschan das Judentum auf, ebenfalls über Änderungen bei einigen seiner Gebete nachzudenken. Die Kirche wolle „Gegenseitigkeit”, und „Gebete, die man ändern könnte oder sollte”, gebe es „auf beiden Seiten”. Darauf hätten auch einige jüdische Persönlichkeiten kürzlich hingewiesen. Der Kardinal wörtlich: „Viele Vertreter des Judentums haben den Sinn dieses Gebetes doch sehr gut verstanden. Und es betrifft ja auch nur eine sehr präzise Komponente der katholischen Welt, für die es einen großen Schritt nach vorn im Vergleich zu früher bedeutet.” Die Karfreitags-Fürbitte sei ein „Ausdruck der eigenen Identität” – und weit davon entfernt, „die Zwangs-Bekehrung von irgendjemandem zu verlangen”.
Der römische Oberrabbiner hat derweil Bertones Wort von der „Gegenseitigkeit” heftig widersprochen. „Das Judentum hat doch seine Gebete schon vor Jahrhunderten selbst zensiert”, meinte Riccardo Di Segni in einem Pressestatement. Es gebe derzeit in jüdischen Gebeten überhaupt keine Bezüge auf das Christentum oder die Christen.
Einer der beiden israelischen Oberrabbiner, Yona Metzger, räumt ein, der Vatikan habe sicher nicht die Absicht gehabt, die Juden zu verletzen. Doch sei der jetzige Moment angesichts des internationalen Terrorismus wohl nicht der richtige, um den Text der Fürbitte zu ändern. Er habe wegen der Fürbitte an den Papst geschrieben... und hoffe auf eine Antwort. (rv/ansa) (nach NL Radio Vatikan, 10.03.2008).
09.03.2008 Deutschland:
Die Kritik an der neuen Karfreitagsfürbitte für die Juden in der lateinischsprachigen Liturgie im außerordentlichen Ritus von 1962 hält an. Der Vizepräsident der Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, warf der Kirche vor, dass sie die Juden „bekehren möchte und sie weiterhin als unmündig betrachtet“. Das meldete das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ am Samstag. Die Formulierung „dass die Juden Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen mögen“, erniedrige die Juden oder mache sie zu einer zweitklassigen Religion, die bekehrt werden müsse. Der Zentralratsvize rief die Deutsche Bischofskonferenz auf, sich bei Papst Benedikt XVI. für eine Änderung einzusetzen. Der Gesprächskreis „Juden und Christen“ des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken rief den Papst ebenfalls auf, die Fürbitte zurückzuziehen. Sie sei eine Kränkung der Juden und Bedrohung des Judentums als Religion, erklärte der katholische Vorsitzende des Gesprächskreises, der Augsburger Pastoraltheologe Hanspeter Heinz, gegenüber „Report Mainz“. - Die Sendung wird am Montag um 21.45 Uhr im Ersten Programm ausgestrahlt. - Kurienkardinal Walter Kasper, in dessen Zuständigkeit der Kontakt zu den Juden fällt, hatte vergangene Wochen ein Treffen führender Rabbiner mit ihm und Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone angekündigt. Dieser werde eine Erklärung abgeben, danach sollte der Vorgang beigelegt sein, so Kasper. (kna/rv) (NL Radio Vatikan, 09.03.2008).
08.03.2008 Deutschland:
Der Potsdamer Rabbiner Walter Homolka bekräftigt seine Kritik an der neuen Karfreitagsfürbitte der katholischen Kirche. Ihre Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft stünden „durch diesen unfreundlichen Akt schlagartig vor einer Zerreißprobe wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr“, erklärte Homolka in der Berliner evangelischen Wochenzeitung „Die Kirche“. Er sprach von einer Eiszeit zwischen Katholiken und Juden. In der vom Vatikan kürzlich neu formulierten Juden-Fürbitte für den Karfreitagsgottesdienst im außerordentlichen lateinischen Ritus heißt es, dass die Juden Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen mögen. Homolka sieht darin einen Aufruf zur Bekehrung. Deshalb hatte er wie der jüdische Sozialwissenschaftler Micha Brumlik seine Teilnahme am Katholikentag vom 21. bis 25. Mai in Osnabrück abgesagt. Der Gesprächskreis „Juden und Christen“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken rief Papst Benedikt XVI. auf, die Fürbitte zurückzuziehen. Dem Gremium gehört auch Homolka an. (kna) (NL Radio Vatikan, 08.03.2008). - Ohne Kommentar [GH].
27.02.2008 Vatikan:
Ein Papstbesuch im Heiligen Land ist erst möglich, wenn die Palästina-Frage gelöst ist. Das sagt der Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, gegenüber dem Onlineportal „terrasanta.net“. Auch müsse sich die Situation der Christen in Israel und in den besetzten Gebieten deutlich verbessern, bevor eine solche Reise in Frage käme. Der Papst könne ein Land wie Israel nur dann besuchen, wenn eine „friedliche Atmosphäre vorherrsche“. Auch könne der Papst keinen Besuch machen, wenn nicht vorher auch alle „praktischen Probleme der Christen in Israel“ und der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel geklärt seien, so Franco weiter. (ansa) (NL Radio Vatikan, 27.02.2008).
27.02.2008 Frankreich:
Anhänger des schismatischen Erzbischofs Marcel Lefèbvre bedauern die Änderung der Karfreitagsfürbitte für die Juden in der alten Form des Mess-Ritus. „Durch den Druck von außen auf die katholische Kirche fühlte der Papst sich anscheinend dazu verpflichtet, die so ehrwürdige Karfreitagsfürbitte zu ändern“, heißt es im Newsletter der Anhänger Lefebvres vom 23. Februar. (apic) (NL Radio Vatikan, 27.02.2008).
26.02.2008 Deutschland
Wegen der neuen lateinischen Karfreitagsbitte im „alten Ritus“ der katholischen Kirche hat ein führendes Mitglied der jüdischen Gemeinschaft seine Teilnahme am Katholikentag in Osnabrück abgesagt [!!]. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) teilte am Montag in Bonn mit, dass der Rektor der einzigen Ausbildungsstätte für Rabbiner in Deutschland, Walter Homolka, seine Mitwirkung an den Veranstaltungen zurückgezogen habe. Homolka sieht die katholisch-jüdischen Beziehungen inzwischen als massiv gefährdet an. Das ZdK bedauerte den Schritt des Rabbiners, der auch dem Führungsgremium des weltweiten Zusammenschlusses des liberalen Judentums, der „World Union for Progressive Judaism“, angehört. Laut Bolzenius sind die Veranstaltungen zum christlich-jüdischen Dialog in Osnabrück aber nicht gefährdet. Es habe keine weiteren Absagen von jüdischer Seite gegeben. (kna) (NL Radio Vatikan, 26.02.2008). -- Wenn man ehrlich ist: Ansage des Endes der christlich-katholisch-jüdischen Bemühungen, die von jüdischer Seite nie ernst gemeint waren. Das sollte man auf katholischer Seite endlich ernst nehmen [GH].
24.02.2008 USA:
Ein US-Rabbiner verteidigt den Papst. In der „Tagespost“ äußert sich Rabbi Jacob Neusner über die Karfreitags-Fürbitte „für die Juden“, die Benedikt XVI. für den so genannten alten Ritus auf Latein umformuliert hat. Viele Kritiker hatten aus dem neuen Text indirekt einen Aufruf zur Bekehrung der Juden herausgelesen. Neusner – mit dem sich der Papst in seinem Jesusbuch ausführlich auseinandergesetzt hat – schreibt wörtlich: „Israel betet für die Nichtjuden, also sollten die anderen Monotheisten – einschließlich der katholischen Kirche – gleiche Rechte haben, ohne dass jemand sich dadurch verletzt fühlte.“ (rv/tagespost) (NL Radio Vatikan, 24.02.2008).
08.02.2008 Der Bonner Theologe Albert Gerhards zur neugefassten Juden-Fürbitte.
Die von Papst Benedikt XVI. geänderte Version für den alten lateinischen Ritus stelle „eine deutliche Revision und Kurskorrektur” dar, sagte der Liturgie- wissenschaftler am Freitag in einem Interview. Er äußerte Verständnis für die Kritik von jüdischer Seite. Die Karfreitagsbitte wird als Prüfstein für das katholisch-jüdische Verhältnis gewertet. Nach Ansicht Gerhards bedeutet die neue Formulierung „eine Gratwanderung, die zu Missverständnissen Anlass gibt”. Juden könnten den Eindruck bekommen, dass dadurch ihre Identität in Frage gestellt werde. Positiv wertet der Theologe, dass die neu vorgelegte Fassung auf Aussagen verzichtet, die unmittelbar negativ klingen. Der Rabbiner David Rosen rät derweil zu mehr Zurückhaltung bei der jüdischen Kritik an der geänderten Karfreitagsfürbitte. Die Ankündigung der Italienischen Rabbinerversammlung, das Gespräch mit der Kirche auszusetzen, nannte Rosen laut einem Bericht auf der Internetseite der „Time” unbesonnen. Es stehe viel auf dem Spiel für die Juden, die Katholiken und Papst Benedikt XVI. selbst. Es werde nichts gewonnen, wenn man aus der Angelegenheit einen „casus belli” mache. (kna) (NL Radio Vatikan, 08.02.2008). -- Ohne Kommentar! (GH).
07.02.2008 Israel/USA:
In Israel und den USA ist die Neufassung der katholischen Karfreitagsfürbitte für die Juden unterschiedlich aufgenommen worden. Der Rabbiner David Rosen sagte der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) am Mittwoch in Jerusalem, dass die Juden „die Grenzen des theologischen Denkens von Benedikt XVI.” akzeptieren müssten. Die neuen Formulierungen seien „das Beste, was in der Theologie von Papst Benedikt XVI. möglich gewesen ist bei dem Bemühen, nett zu uns Juden zu sein”, fügte Rosen hinzu. Enttäuschungen über die neuen Formulierungen zeigen laut Rosen, „wie weit wir schon bei den Gesprächen zwischen Judentum und Vatikan gelangt sind”, und wie hoch die jüdischen Erwartungen seien. Dringende tiefe Bedenken” äußerte hingegen der Direktor der US-amerikanischen Anti-Defamation-League (ADL), Abraham Foxman, in einem offenen Brief an den Papst. Er kritisierte, dass die Juden erneut aufgerufen würden, ihre religiöse Identität aufzugeben. (kna) (NL Radio Vatikan, 07.07.2008). --
Gegenfrage: Wann schaffen die Juden denn endlich das Gebet mit der Verfluchung der Christen ab? (GH).
05.02.2008 Vatikan: Fürbitte „Für die Juden”
Papst Benedikt XVI. hat die Karfreitagsfürbitte für die Juden im alten Messritus geändert.Statt „für die Bekehrung der Juden” (Pro conversione Iudaeorum) sollen die Gläubigen bei der Liturgie im außerordentlichen Ritus von 1962 ab sofort „für die Juden” („Oremus et pro Iudeis”) allgemein beten. Das gab das vatikanische Staatssekretariat am Dienstag Nachmittag bekannt. Die Kirche bittet darin um „Erleuchtung der Juden” und das Heil „ganz Israels”, „wenn die Fülle der Völker” in die Kirche eintrete. Bereits im Missale Romanum von 1962 waren die Bezeichnungen „treulos” (perfidus) bzw. „Unglaube” (perfidia) aus der Fürbitte gestrichen worden. (rv) (nach NL Radio Vatikan, 05.02.2008).
11.01.2008 Israel:
Die israelische Regierung hat neue Regelungen in der umstrittenen Visa-Frage für katholische Kirchenmitarbeiter erlassen. Wie die israelische Botschaft beim Heiligen Stuhl am Freitag in Rom mitteilte, soll eine kleine Gruppe von hohen Vertretern der christlichen Kirchen des Heiligen Landes ein Mehrfach-Visum bekommen. Für Geistliche aus arabischen Ländern, die von den kirchlichen Autoritäten zum Dienst in Israel bestimmt seien, sollen die Kontroll-Prozeduren beschleunigt werden. Die Maßnahme solle die Bedeutung der christlichen Gemeinschaften in Israel anerkennen und zu einer weiteren Verbesserung der Beziehungen zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl beitragen, heißt es in der Mitteilung der Botschaft. (kna) (NL Radio Vatikan, 11.01.2008).
26.12.2007 Nahost:
Diskussion um Sabbahs Friedensbotschaft
Der Vatikan soll der Kritik des lateinischen Patriarchen von Jerusalem an Israel widersprechen. Das fordert das internationale Simon Wiesenthal Center, eine jüdische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Los Angeles. Papst Benedikt solle die Aussagen Michel Sabbahs gegen die Existenzberechtigung des Staates Israel als jüdischen Staat zurückweisen, erklärte der Gründer der Organisation, Rabbi Marvin Hier. Israel brauche keine Unterweisungen; wenn Sabbah den Christen im Heiligen Land helfen wolle, solle er „in den Gaza-Streifen gehen“ und die christliche Minderheit vor der extremistischen Hamas bewahren.
Die Erklärung des Simon-Wiesenthal-Center trägt das Datum vom 19. Dezember und bezieht sich auf eine Pressekonferenz des lateinischen Patriarchen von Jerusalem zu seiner Weihnachtsbotschaft. Sabbah selbst ist Palästinenser. Bei seiner Rede vor Journalisten hatte er am Donnerstag gesagt, es gebe „einiges Gerede, religiöse Staaten in diesem Land zu errichten“. Doch ein Gemeinwesen, das andere Religionen ausschließe oder diskriminiere, sei nicht für ein Land geeignet, das Gott für die ganze Menschheit geheiligt habe.
Er habe Israel nie als „religiösen Staat“ bezeichnet, sagte Sabbah bereits am Montag. Die Diskussion um seine Weihnachtsbotschaft wies er als „unsinnig“ zurück. Israel sei ein säkularer Staat, der alle Glaubensbekenntnisse respektiere. Nach Aussagen von Mitarbeitern des Lateinischen Patriarchats galt der Verweis auf die religiösen Staaten radikalislamischen Kräften innerhalb der palästinensischen Gesellschaft.
Im Weihnachtsgottesdienst hatte Sabbah erneut zum Frieden im Heiligen Land aufgerufen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas überreichte dem 74-Jährigen am Heiligen Abend in Bethlehem den Palästinensischen Verdienstorden, die wichtigste Ehrung der Autonomiebehörde. (pm/rv/kna) (NL Radio Vatikan, 26.12.2007). -- GH: Ich verkneife mir einen Kommentar zu solcher Unverfrorenheit.
20.12.2007 Israel / Vatikan:
Die Visa-Schwierigkeiten für katholische Geistliche in Israel bleiben eine heikle Sache. Das sagte der apostolische Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, nach einem Treffen mit Premierminister Ehud Olmert. „Allerdings sind wir in einer Phase des Dialogs und warten auf einige Antworten“, so Franco gegenüber der italienischen katholischen Nachrichtenagentur Sir. Die israelischen Behörden stellen seit geraumer Zeit keine Visa mehr für im Lande tätige katholische Priester und Ordensleute aus, so dass sie nicht oder nicht wieder einreisen können. Viele von ihnen kommen aus arabischen Ländern. Franco empfiehlt, es nicht zu „Verhärtungen im Dialog“ kommen zu lassen. (ansa) (nach NL Radio Vatikan, 20.12.2007).
17.12.2007 Vatikan:
„Alles gesagt - nämlich nichts” - „2008 kein Israel-Besuch des Papstes”
Erneut kritisiert ein Vatikanvertreter die Gespräche mit Israel. Das gemeinsame Statement nach der letzten Verhandlungsrunde von Jerusalem sage „wirklich alles, was man nur sagen kann - nämlich nichts. Das Nichts, das es ausdrückt, ist die Realität.” Das meinte Erzbischof Antonio Maria Veglio' von der Ostkirchenkongregation, der zur Vatikan- Delegation bei den Gesprächen vor vier Tagen gehört hatte, bei einem Gespräch mit Journalisten im Vatikan.
Immer wieder kommt aus dem Vatikan Kritik am schleppenden Fortgang der Gespräche über Steuer- und Eigentumsfragen der Kirche im Heiligen Land. Sie halten schon seit vierzehn Jahren an und haben immer noch nicht zu greifbaren Ergebnissen geführt. Es gebe allerdings noch einen positiven Aspekt, so der Geistliche weiter: „'Immerhin reden wir weiterhin miteinander. Ich hoffe, dass dieser gute Wille auf beiden Seiten nicht untergeht - aber das ist natürlich eine lange dauernde Schwergeburt. In kleinem Kreis sind wir zwar gut vorangekommen, aber in der Vollversammlung ging es dann bei den sensiblen Punkten überhaupt nicht weiter.´” Es sei nicht leicht, mit Israel zu verhandeln, so der Erzbischof weiter.
„Das gemeinsame Dokument sagt: Solange nicht alles beschlossen worden ist, ist noch nichts beschlossen. Nun gibt es zwar schon einen Konsens über einen Teil des Textes, aber über andere Teile eben noch nicht. Und weil dieser Vorbehalt da am Anfang des Textes steht, brauche ich wohl nicht auszuführen, was das bedeutet. Natürlich - wenn man von Frieden oder den Rechten der Frau spricht, sind sich alle noch einig, aber sobald man zu den Details kommt, zu den Steuern etwa, dann kommen gleich Differenzen auf.”
Vor kurzem hatte der frühere Nuntius in Israel, Pietro Sambi, der israelischen Seite fehlenden politischen Willen zu einem Abkommen mit dem Vatikan vorgeworfen. Der Heilige Stuhl hatte daraufhin präzisiert, Sambi gebe damit nur seine eigene Meinung wieder... - wenn auch eine in langer Erfahrung herangereifte Meinung.
Ebenfalls im Vatikanischen Pressesaal dämpfte Papst-Sprecher Pater Federico Lombardi auch Erwartungen, der Papst könne eventuell 2008 nach Israel reisen. Der Jesuit ließ durchblicken, dass dafür aus seiner Sicht die Zeit noch nicht reif ist; außerdem seien für 2008 schon andere große Reisen im Programm des Papstes. Darum könne von einem Besuch in Israel nächstes Jahr „keine Rede sein”. (ansa/rv) (NL Radio Vatikan, 17.12.2007). -
[Wenn der Vatikan solchermaßen alle diplomatische Vorsicht fahren lässt, dann muss es wirklich schlimm stehen!! GH].
17.12.2007 Israel:
Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. von Jerusalem ist endlich von Israel anerkannt.
Nach offiziellen Angaben stimmte der Ministerrat am Sonntag in Jerusalem bei drei Gegenstimmen mehrheitlich für die Anerkennung des Patriarchen, dessen Amtsvorgänger Irenaios I. 2005 abgesetzt worden war. Nach geltendem Recht muss die Wahl des Patriarchen von der israelischen, der jordanischen und der palästinensischen Regierung bestätigt werden. Theophilos III. war vor den Obersten Gerichtshof Israels gezogen, um zwei Jahre nach seiner Wahl seine Bestätigung durch die israelische Regierung durchzusetzen. Irenaios I. war u.a. vorgeworfen worden, wertvolle Immobilien in der Altstadt von Jerusalem unter ungeklärten Umständen an jüdische Investoren langfristig verpachtet zu haben. Patriarch Theophilos III. erklärte kürzlich, israelische Regierungsfunktionäre hätten ihn zur Unterschrift unter die umstrittenen Transaktionen seines Vorgängers nötigen wollen. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat ist der größte Grundbesitzer in Jerusalem; seine mehr als 100.000 Gläubigen sind zum allergrößten Teil Araber, der hohe Klerus ist aber überwiegend griechischer Herkunft. Viele öffentliche Gebäude in Jerusalem - auch die Knesset - stehen auf Grundstücken, die dem Patriarchat gehören. (kap) (NL Radio Vatikan, 17.12.2007).
14.12.2007 Israel/Vatikan:
Der Durchbruch lässt noch auf sich warten. Auch die neue Gesprächsrunde zwischen Israel und dem Vatikan hat zu keiner Einigung über Rechts-, Eigentums- und Steuerfragen der Kirche im Heiligen Land geführt. Die Delegationen trafen sich zwei Tage lang in Jerusalem; nach Agenturangaben legte die israelische Seite dabei Kompromissvorschläge vor, die aber noch nicht zu einem endgültigen Text führten. Die Verhandlungen dauern, mit großen Unterbrechungen, schon länger als zehn Jahre; Verzögerungen führen hin und wieder zu spürbarem Unmut im Vatikan. Jetzt betonen die Gesprächspartner, in wie „herzlicher Atmosphäre” ihre Verhandlungen stattfinden und wie stark der Wille zu einer baldigen Einigung ist. Das nächste Treffen findet erst im Mai statt, diesmal im Vatikan. (ansa) (Newsletter Radio Vatikan, 14.12.2007).
12.12.2007 Jerusalem:
Der selige griechisch-katholische Bischof Pavol Gojdic wird posthum [und nach mehr als 60 Jahren! GH] von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ausgezeichnet. Das gab die Slowakische Bischofs- konferenz bekannt. Ende Januar wird ihm der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern” verliehen . Zugleich wird der Name des Bischofs an der Gedenkwand für die „Gerechten” in Yad Vashem in Jerusalem eingetragen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten habe der Bischof geholfen und dadurch vielen das Leben gerettet, erklärte ein slowakischer Historiker. Bischof Pavol Gojdic lebte von 1888 bis 1960, Johannes Paul II. sprach ihn im Jahr 2001 selig. (kap)
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12.04.2007 Israel:
Der Päpstliche Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, will dieses Jahr nicht an der Gedenkzeremonie zum Holocaust in Yad Vashem teilnehmen. Das erklärte er jetzt in einem Brief an die Leitung der Gedenkstätte bei Jerusalem. Gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa verwies Erzbischof Franco zur Begründung auf ein Foto von Papst Pius XII. in der Ausstellung von Yad Vashem; in der Bildunterschrift wird diesem Papst eine uneindeutige Haltung zum Holocaust unterstellt. „Es würde mir wehtun, nach Yad Vashem zu gehen und Pius XII. so zu sehen”, so der Nuntius. Er empfiehlt, das Foto zu entfernen oder die Bildunterschrift zu ändern.” (ansa) (Newsletter Radio Vatikan, 12.04.2007) -- Die deutschen Bischöfe, die kürzlich in Yad Vashem waren, haben dies wohl nicht bemerkt ...?! -- Siehe auch das Untermenü "Papst Pius XII."(GH).
Der Päpstliche Nuntius in Israel wird heute Abend nun doch zur offiziellen Holocaust-Gedenkfeier nach Yad Vashem bei Jerusalem kommen. Das wurde heute im Vatikan bekannt. Erzbischof Antonio Franco reagiert damit auf Signale, die Verständnis für seine Kritik an einer Abbildung von Papst Pius XII. in der Ausstellung der Gedenkstätte zeigen. Die Bildunterschrift schreibt dem Papst, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs amtierte, eine ambivalente Haltung zum Völkermord an den Juden zu. “Es schmerzt mich, zu sehen, wie in Yad Vashem Pius XII. dargestellt wird”, hatte Franco erklärt; die Bildunterschrift beleidige die ganze Kirche. Die Leitung von Yad Vashem reagierte auf die Entscheidung des Nuntius, doch an der Veranstaltung von heute teilzunehmen, erleichtert. In einem Brief an den Erzbischof hatte sie zuvor angedeutet, ihre Haltung zu Pius XII. noch einmal zu überdenken, wenn neues Material über die Einstellung des Papstes zugänglich werde. Franco gab an, mit seiner ursprünglichen Weigerung habe er gegen die Art und Weise, wie Pius dargestellt werde, protestieren wollen. Dieses Ziel habe er erreicht. Sein Protest habe sich aber nicht gegen die Erinnerung an den Holocaust gerichtet, und darum komme er zu der Veranstaltung von heute Abend. (rv) (Newsletter Radio Vatikan, 15.04.2007). -- Umfall-Kommentar überflüssig! GH.
< Home Gästebuch >Der Päpstliche Nuntius, Erzbischof Antonio Franco, nennt es „verfrüht, Israel in dieser Hinsicht zu beschuldigen“. Es sei immer noch unklar, wie es zu der relativ kleinen Zahl von Gottesdienstbesuchern gekommen ist. Er habe Berichte bekommen, nach denen Gläubige mit Tickets in der Hand am Eingang abgewiesen worden seien; andere wiederum hätten ihre Tickets offenbar zu spät erhalten. Das Gelände für die Papstmesse, das Tal Josaphat zwischen dem Tempelberg und dem Ölberg, hätte 5.000 Menschen aufnehmen können.
Der Nuntius erwähnte gegenüber der Nachrichtenagentur nicht die Tatsache, dass auch Ordensfrauen, die an seiner Nuntiatur arbeiten, am Zutritt zum Gelände gehindert wurden. Er ließ auch Berichte unkommentiert, nach denen Israel mehr als tausend Karten für die Papstmesse gar nicht erst ausgeliefert haben soll. (ap) (NL Radio Vatikan, 21.05.2009).
12.02.2009 Vatikan: Papst empfängt jüdische Vertreter