GERD HAGEDORN
  

                LEBENSSCHUTZ



19.01.2012  Italien: Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, sieht die wachsende Tendenz, Kinder mit Down-Syndrom abzutreiben.
Tötungen dürften nicht der Preis für eine „Gesellschaft der Gesunden“ sein, sagte der Erzbischof von Genua. Anlass für seine Äußerungen waren Presseberichte, wonach es in Dänemark bis zum Jahr 2030 keine Personen mit Down-Syndrom mehr geben soll. In dem skandinavischen Land sei „offensichtlich eine eugenische Operation“ im Gange, so der Kardinal. Noch schlimmer sei der Triumphalismus, mit dem dieses „Programm“ vorgestellt worden sei. Bagnasco bezog sich auf den Bericht einer dänischen Zeitung, nach dem bald das letzte Kind mit Down-Syndrom in Dänemark geboren werde. Bis 2030 solle das skandinavische Land das erste weltweit sein, in dem keine Menschen mehr mit Down-Syndrom leben. (kna)(NL Radio Vatikan, 19.01.2012). 
  
18.12.2008  Vatikan: Papst Benedikt XVI. hat große Sorge über die geplante Straffreiheit für aktive Sterbehilfe in Luxemburg bekundet.         
Die politisch Verantwortlichen sollten sich daran erinnern, dass es niemals gerechtfertigt sein könne, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, sagte der Papst am Donnerstag beim Empfang für den neuen luxemburgischen Vatikan-Botschafter Paul Dühr. Der Papst erklärte, der Wunsch nach lebensbeendenden Maßnahmen sei vor allem ein Hilferuf nach Begleitung, Beistand und Unterstützung im Leiden. Solcher Beistand stärke die familiären und sozialen Bindungen. Dagegen lobte Benedikt das am Donnerstag vom luxemburgischen Parlament verabschiedete Gesetz zum Ausbau der Palliativmedizin. Dieses mache das Leiden in der Endphase einer Krankheit erträglicher und sichere den Patienten eine angemessene menschliche Begleitung. Es sei bedauerlich, dass die beiden Gesetze miteinander verknüpft wurden. (rv) (NL Radio Vatikan, 18.12.2008).

13.12.008  Luxemburg:
Der Schutz des menschlichen Lebens gestattet keine Ausnahme.
Damit hat sich der luxemburgische Erzbischof Fernand Franck jetzt gegen die geplante Legalisierung der Sterbehilfe in seinem Land ausgesprochen. Er habe die Parlamentsabgeordneten aufgerufen, sich bei der erneuten Abstimmung am kommenden Donnerstag gegen das Sterbehilfe-Gesetz zu entscheiden, so die Katholische Nachrichtenagentur. Das Sterbehilfe-Angebot übe einen zu großen gesellschaftlichen Druck auf alte und kranke Menschen aus. Weiter sei jedem menschlichen Leben Sinn abzugewinnen, so Franck. – Bislang hat Großherzog Henri ein Inkrafttreten des Gesetzes verhindert. Am vergangenen Donnerstag hatte das Parlament eine Verfassungsänderung beschlossen, nach welcher er künftig kein Vetorecht mehr besitzt. (kna) (NL Radio Vatikan, 12 12.2998). - War das vielleicht das richtige Zeichen für einen katholischen Herrscher in diesem und den zweifellos kommenden Zusammenhängen, Königliche Hoheit? [GH].

08.12.2008  Luxemburg:
Mehr als zwei Drittel der Luxemburger befürworten laut einer neuen Umfrage die geplante Zulassung aktiver Sterbehilfe.
18 Prozent lehnen dies ab, und 13 Prozent zeigten sich unentschieden, zitierten luxemburgische Medien aus der Umfrage. Das Gesetz soll noch vor Weihnachten im Parlament beschlossen werden. Die Weigerung von Großherzog Henri, den Gesetzestext zu unterzeichnen, wird von einer Mehrheit der Befragten missbilligt. 69 Prozent erklärten, die Rolle des Staatsoberhaupts solle auf repräsentative Aufgaben beschränkt sein. Fast ebenso viele Luxemburger billigten die geplante Verfassungsänderung, um die Befugnisse des Großherzogs zu beschneiden. Luxemburg will bis Mitte März die Verfassung ändern und damit die Befugnisse des Staatsoberhaupts beschneiden. So soll trotz des Neins des Großherzogs der Weg für eine Verabschiedung des Palliativ- und Sterbehilfegesetzes freigemacht werden. (kna) (NL Radio Vatikan, 08.12.2008).

05.12.2008  Luxemburg:
Großherzog Henri von Luxemburg hat sich geweigert, ein Gesetz zu unterzeichnen, das aktive Sterbehilfe durch einen Arzt erlauben soll.
Im Februar hatte das Parlament das Gesetz mit knapper Mehrheit beschlossen.                                   Der christdemokratische Premierminister von Luxemburg, Jean-Claude Juncker, will nun per Verfassungsänderung die Vollmacht des Herzogs einschränken, damit das Gesetz doch noch in Kraft treten kann. Luxemburgs Kirche hatte sich über das Euthanasie-Vorhaben sehr besorgt gezeigt. Nach Medienangaben zeigt sich der Großherzog mit einer Beschneidung seiner Macht einverstanden. Henris Geste hat ein Vorbild: den verstorbenen belgischen König Baudoin. Dieser war als König zurückgetreten und erst einige Tage später wieder in sein Amt zurückgekehrt, um ein Abtreibungs-Gesetz nicht unterzeichnen zu müssen. Ein ähnliches Verfahren ist in Luxemburg rechtlich offenbar nicht möglich. Der für den Lebensschutz zuständige Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Rino Fisichella, kritisierte die Pläne zur Verfassungsänderung. Luxemburg würde sich damit in den Schatten derjenigen Staaten stellen, welche das traurige Schicksal der Euthanasie akzeptiert hätten, so Fisichella gegenüber der italienischen Zeitung „l´Avvenire“. (avvenire/rv) (NL Radio Vatikan, 05.12.2008).

25.02.2008  Luxemburg:
Euthanasie legalisiert - Kirche entsetzt
Luxemburg legalisiert die aktive Sterbehilfe. Am Dienstagabend verabschiedete die Abgeordnetenkammer einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Voraussetzung ist allerdings das ausdrückliche Verlangen des Patienten, zu sterben. Wenn die Vorlage in zweiter Lesung durchgeht, dürfen Ärzte unheilbar kranken Menschen beim Sterben „helfen“. Die katholische Kirche zeigt sich entsetzt. Der Generalvikar der Erzdiözese Luxemburg, Mathias Schiltz:
„Wir haben lange dagegen gekämpft. Der Erzbischof hat sich öffentlich gegen diesen Gesetzentwurf ausgesprochen, katholische Ärzte, Fachleute und Moraltheologen – alles umsonst. Die öffentliche Meinung zum Thema Sterbehilfe hat einen Umschwung genommen, sie ist auch manipuliert worden. Laut jüngster Umfrage treten 78 Prozent der Luxemburger für aktive Sterbehilfe ein. Da müssen wir eingest ehen, dass das christliche Menschenbild, das unser Land lang bestimmt hat, offenbar schwindet. Wir müssen alles tun, die Gewissen der Menschen neu zu erziehen - die Gewissen der Kranken, der Ärzte, der Familienangehörigen.“ (rv) (NL Radio Vatikan, 25.02.2008).

19.01.2008  Vatikan:

Klonen, Instrumentalisierung und Menschenhandel
Das angebliche Klonen menschlicher Zellen durch amerikanische Forscher hat die ethische Debatte weiter angefacht. Nach Informationen der Fachzeitschrift Stemm Cells war es Wissenschaftlern in Kalifornien gelungen, fünf menschliche Embryonen zu klonen. Dabei waren, ähnlich wie beim Klonen des Schafes Dolly vor zwölf Jahren, die Kerne von Hautzellen Erwachsener in die Hüllen weiblicher Eizellen verpflanzt worden. Wissenschaftler hoffen, mit diesem Verfahren in Zukunft auch embryonale Stammzellen für das so genannte therapeutische Klonen zu gewinnen.
In der päpstlichen Akademie für das Leben leuchten die Alarmzeichen, sollten sich die Medienberichte bewahrheiten. Moralisch wäre dieser Vorstoß genauso verwerflich wie das Klonen von Menschen selbst, sagt Akademiepräsident Bischof Elio Sgreccia gegenüber Radio Vatikan:
„Solange es auf Schafe oder Schimpansen angewandt wird, kann das Klonen seinen berechtigten wissenschaftlichen Grund haben. Wenn es aber auf den Menschen angewandt wird, haben wir es mit der schlimmsten Instrumentalisierung des menschlichen Wesens zu tun, das nämlich so zum reinen Forschungsobjekt wird. Das so genannte therapeutische Klonen konnte man bislang nicht rechtfertigen. Und selbst, wenn man es könnte, dürfte man es nicht erlauben, den Menschen als 'Medizin' [sc. medizinisches Mittel, GH] zu benutzen. Vom ethischen Standpunkt aus handelt es sich hier um einen schweren moralischen Verstoß.”
Ganz besonders unverständlich erscheint Sgreccia das Klonen menschlicher Stammzellen auch deshalb, weil es Forschern inzwischen gelungen ist, ausgewachsenen Zellen einen „Rückwärtsgang” einzuprogrammieren, durch den sie sich in ihr Anfangsstadium als Stammzellen zurückentwickeln.
„All das kann man jetzt, wie bewiesen wurde, sehr viel leichter über andere Wege erhalten. Ich verstehe nicht, ob das hier einfach nur ein Spiel sein soll, mit welchen Geldern es auch immer finanziert wird, und bei dem es darum geht, die unwürdigsten Experimentiermethoden zu entdecken, einfach nur um des Vergnügens willen, am Mann und an der Frau herum zu experimentieren.”
Bislang lasse sich nichts über ein mögliches Potential der US-Studie sagen, erklärte derweil der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Stammzellenforschung, Jürgen Hescheler. Der SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel sagte der Frankfurter Rundschau, für geklonte Embryonen wie im akuten Fall würden Eizellen spendende Frauen „als Ersatzteillieferantinnen missbraucht”. Das sei fast so schlimm wie der Organhandel mit Frauen in Entwicklungsländern. (rv/pm) (NL Radio Vatikan, 19.01.2008).

12.01.2008  Vatikan:
Nein zur Euthanasie – aber nicht Lebenserhaltung um jeden Preis

Eines der wichtigsten Anliegen der Katholischen Kirche ist der Lebensschutz - die Rede Papst Benedikts XVI. an das Diplomatische Corps am vergangenen Montag [07.01.08] hat dies noch einmal verdeutlicht, auch wenn in den Medien nur die Unterstützung des Moratoriums gegen die Todesstrafe wahrgenommen wurde.
Aber es geht auch um den Lebensschutz am Anfang des Lebens und um das Thema Euthanasie, unterstreicht der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Elio Sgreccia gegenüber Radio Vatikan. Er beschwört eine weltweite Neubesinnung auf den Lebensschutz.
„Das ist eine Frage von Gerechtigkeit und von Solidarität, und es geht um die Frage, Voraussetzungen für den Frieden zu schaffen. Es handelt sich mit Blick auf das ungeborene Leben auch um ein demographisches Problem; und es geht um die Anerkennung der Grenzen von Medizin und Wissenschaft. Es gibt viele Gründe für eine Neubesinnung auf den Lebensschutz: Die Grundpfeiler der Gesellschaft gründen auf dem Respekt vor dem Leben, dem allerersten unter den Menschenrechten.”
In vielen Teilen der Welt seien beunruhigende Entwicklungen zu beklagen: „In Europa beispielsweise in den Niederlanden, wo inzwischen auch an Kindern Euthanasie geübt wird; oder Belgien oder Oregon in den USA, Dänemark und so weiter. Und es gibt solche Bestrebungen auch in Lateinamerika. Der Druck wächst.”
Besonders problematisch sei es, wenn man die Euthanasie mit Hinweis auf die christliche Nächstenliebe begründet, wie es zuweilen geschieht. „Die christliche Ethik drängt niemals zur Vernichtung von Personen. Es geht vielmehr um die Linderung von Schmerzen. Niemals gab es in der Medizin so viele Möglichkeiten, den Schmerz auch in sehr schweren Fällen zu kontrollieren.”
Häufig werde der Einwand gemacht, „Sterbehilfe” sei gerechtfertigt, weil der Patient autonom über den eigenen Tod entscheiden solle und über die Weise und den Zeitpunkt des Sterbens.
„Nur ist diese Forderung nach Autonomie nicht dasselbe wie die wahre Freiheit. Daher bedeutet die Beendigung des Lebens im Namen der Freiheit in Wahrheit die Zerstörung der Gründe für eben diese Freiheit. Das Leben ist ein Gut, das geschützt werden muss, und dass man loslassen kann im Augenblick des Todes zum Wohle aller.”
Die Ablehnung von Euthanasie bedeutet aber nicht, Apparatemedizin um jeden Preis einzusetzen, so Sgreccia: „Der übertriebene Einsatz medizinischer Mittel ist eine Beleidigung des Lebens, denn wenn es wahr ist, dass das Leben respektiert werden muss, dann ist es ebenso wahr, dass man es im Augenblick des Todes respektieren muss. Daher stellt die Lebenserhaltung des Patienten über seine natürlichen Kräfte hinaus einen Akt der Gewalt am Sterbenden dar.” (rv) (NL Radio Vatikan, 12.01.2008).

30.12.2007  Deutschland: Streit um Stammzellen

Der evangelische Bischof Wolfgang Huber stößt mit Äußerungen zum Stammzellgesetz auf heftigen Widerspruch. In einer Zeitung hatte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands vor drei Tagen erklärt, er sei für eine einmalige Verschiebung des so genannten Stichtags für den Import von Stammzellen  nach Deutschland zu Forschungszwecken. In dem Artikel unter der Überschrift „Auch der katholische Mensch kann irren“ [!!] meinte Huber außerdem, der Konflikt habe mittlerweile eine „konfessionelle Färbung“ angenommen.
Bislang darf in Deutschland nur an embryonalen Stammzellen geforscht werden, die vor dem 1. Januar 2002 produziert wurden. Dies soll verhindern, dass Anreize zur Produktion und Tötung von Embryonen geschaffen werden. Weil die Qualität der zugelassenen Stammzelllinien zu wünschen übrig lasse, plädieren einige Stammzellforscher für eine Aufhebung der Stichtagsregelung, zumindest aber für eine einmalige Verschiebung. Nach Hubers Worten treten in der Auseinandersetzung auch konfessionell unterschiedliche Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Lehramt und der politischen Verantwortung von Christen zutage. Katholiken beugten sich dem päpstlichen Lehramt und hielten deshalb die Stichtagsregelung für unverhandelbar; Protestanten trügen die Kontroversen aus und ermöglichten so eine ethische Urteilsbildung und damit auch Politik.
Der Osnabrücker Professor für christliche Sozialwissenschaften Manfred Spieker widerspricht Huber vehement. Der Konflikt um die Stichtagsregelung sei kein Konfessionsstreit, schreibt er in der Zeitung „Die Tagespost“. Vielmehr handele es sich um einen Konflikt zwischen Rechtspflichten und Tugendpflichten. Unschuldige nicht zu töten, sei eine Rechtspflicht, Kranken durch neue Therapien zu helfen, eine Tugendpflicht. Beiden Pflichten stimmten Christen zu. Im Konflikt – wenn etwa neue Therapien nur um den Preis möglich seien, menschliche Embryonen zu töten – komme der Rechtspflicht immer der Vorrang vor der Tugendpflicht zu. Der katholische Wissenschaftler weist auch darauf hin, dass führende Protestanten keineswegs Hubers Haltung teilen.
Die Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“, Claudia Kaminski, sieht Bischof Huber „auf dem Holzweg“. So sei es falsch, sich auf die Argumente der Stammzellforscher einzulassen, dass man nicht mit „alten, verunreinigten Zellen“ forschen könne. Tatsache sei, dass neueste Ergebnisse der embryonalen Stammzellforschung mit genau diesen Stammzelllinien erreicht worden seien, so die Medizinerin. (idea) (NL Radio Vatikan, 30.12.2007). -- 
[GH: Nur gut, dass Protestanten nicht irren können! Davon abgesehen, die reichlich populistische "Argumentation" Hubers deckt hier dankenswerterweise Abgründe zwischen katholischem und evangelischem Denken auf, auch in ökumenischer Hinsicht!]

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